Fusionsfantasien
Nasdaq erwägt Übernahme der Londoner Börse

Nach dem Scheitern der Fusion der Börsen von London und Toronto wird die LSE selbst zum Übernahmeziel. Experten sehen die Nasdaq OMX als möglichen Käufer der Londoner Börse. Nicht der einzige potenzielle Bieter.
  • 0

London/Toronto/FrankfurtDas Fusionskarussell der Weltbörsen nimmt wieder Fahrt auf. Nur einen Tag nachdem das Zusammengehen der London Stock Exchange (LSE) mit dem kanadischen Konkurrenten TMX geplatzt ist, heizt die US-Technologiebörse Nasdaq die Spekulationen wieder an.

Die Nasdaq erwägt Medienberichten zufolge ein Übernahmeangebot für die traditionsreiche LSE. Damit würde sich Nasdaq-Chef Bob Greifeld ein weiteres Mal an dieses Projekt trauen, nachdem ihm London 2006 eine Abfuhr erteilt hat. Die Nasdaq wollte sich zu den unter anderem vom „Wall Street Journal“ vermeldeten Plänen nicht äußern.

Die LSE-Aktionäre scheinen dem Projekt etwas abgewinnen zu können. So legte die Aktie der LSE gestern um knapp elf Prozent auf 10,60 Pfund zu. Die Anteilsscheine der Nasdaq verharrten hingegen unverändert auf dem Vortagesschlussstand.

Für Analysten ist das Ganze im Grunde schon fast eine ausgemachte Sache. „Es gibt einen offensichtlichen Kandidaten für eine Offerte für die LSE: die Nasdaq“, meinen die Analysten der Schweizer Großbank UBS. Nach ihrer Meinung könnte Greifeld bis zu 11,50 Pfund für die Aktien der Londoner bieten, 40 Prozent davon in bar.

Sowohl die LSE als auch die Nasdaq stehen derzeit im Fusionsreigen der internationalen Börsen ohne Partner da. Die LSE hatte insgesamt 4,1 Milliarden Dollar für die Übernahme der kanadischen TMX geboten, musste aber am Mittwoch die Offerte zurückziehen, nachdem klar war, dass die nötige Zweidrittelmehrheit für den Deal nicht zusammenkommen würde.

Die Nasdaq wollte gemeinsam mit dem Rohstoffmarkt Intercontinental Exchange die New Yorker Börse (Nyse) für 11,3 Milliarden Dollar kaufen. Ziel dieser feindlichen Offerte war es, die geplante Übernahme der New Yorker durch die Deutsche Börse zu torpedieren.

Am Ende musste Greifeld aber einsehen, dass er die Bedenken der US-Kartellbehörden nicht aus dem Weg räumen konnte. In New Yorker Finanzkreisen heißt es, dass Greifeld das Scheitern der Fusion zwischen LSE und TMX genau beobachtet habe. Das wäre nicht erstaunlich, denn bereits 2006 hat die Nasdaq gleich zweimal versucht, die Londoner Börse zu übernehmen. Inzwischen wäre die LSE deutlich billiger zu haben als damals.

Gemessen an der eigenen Marktkapitalisierung ist London nur noch die zehntgrößte Börse der Welt und nur noch 2,6 Milliarden Pfund wert – 200 Millionen Pfund weniger, als die Nasdaq 2006 geboten hatte. „Nach dem Platzen des TMX-Deals gibt es kaum noch Fusionschancen, bei denen die LSE als Seniorpartner auftreten könnte“, meint ein Banker. Dennoch ist die Nasdaq nicht die einzige Option für die Londoner.

Die Börsen in Hongkong und Singapur werden ebenfalls als Bieter für die LSE gehandelt. Außerdem könnte LSE-Chef Xavier Rolet versuchen, in den Übernahmekampf um das Abwicklungshaus LCH Clearnet einzugreifen, an dem sich auch die Nasdaq beteiligen will.

Kommentare zu " Fusionsfantasien: Nasdaq erwägt Übernahme der Londoner Börse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%