G-20
Versicherer schicken Brandbrief an die Finanzminister

Versicherungskonzerne warnen vor mehr Regulierung und wollen nicht mit Banken in einen Topf geworfen werden. In einem offenen Brief an die G-20-Staaten kritisieren sie die lockere Geldpolitik. Was die Branche fordert.
  • 6

Die großen Versicherer haben einen Brandbrief an die Finanzminister der G-20-Staaten verfasst. Sie warnen darin vor allem davor, dass die Branche weltweit mit den Banken in einen Topf geworfen wird. Verfasst hat das Schreiben die Interessenorganisation Geneva Association (GA), in der rund 80 große, weltweit tätige Versicherungskonzerne vertreten sind.

Unterschrieben wurde es von dem Vorstandsvorsitzenden des Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, der Präsident der Organisation mit Sitz in Genf ist.

Der offene Brief hebt in erster Linie den möglichen Schaden hervor, der verursacht werden könnte, wenn die Regulierung für Banken auf die Versicherungsbranche übertragen würde. Begrüßt wird dagegen, dass in der Debatte um systemrelevante Finanzinstitute, sogenannte Sifi, nun zwischen Banken und Versicherern unterschieden werde.

Die Versicherer bitten allerdings darum, sehr sorgfältig die Folgen zu erwägen, wenn ein Unternehmen als möglicherweise systemrelevant identifiziert werde

Gefordert wird in dem Brief zudem, dass die Politik verschiedene Aufsichtsebenen sorgfältiger unterscheide. So sei es wichtig, die Detailkenntnisse von lokalen Aufsichtsbehörden über Versicherer anzuerkennen und zu berücksichtigen.

Als vierten Punkt heben die Versicherer die „extrem lockere Geldpolitik“ hervor. Sie warnen vor den negativen Folgen der anhaltenden Niedrigzinspolitik auf die Branche. Dadurch würde eine wesentliche Ertragssäule der Versicherer, die Erträge aus Kapitalanlagen, langsam aber sicher verringert. In dem Brief wird dafür der Begriff „erodieren“ gebraucht.

So bedeute eine Verringerung des Zinsniveaus um einen Prozentpunkt, dass die Erträge aus den Kapitalanlagen in der Branche weltweit um 226 Milliarden Dollar im Jahr sinken würden.

Ein Sprecher der Allianz erklärte auf Anfrage, man stehe inhaltlich voll hinter den Aussagen. Die Allianz ist Mitglied in der Geneva Association.

Mit ihrem Appell richtet sich die Branche an die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer. Sie bilden den Kreis der so genannten G20. An diesem Donnerstag und Freitag treffen sie sich in Cannes. Auf der Tagesordnung stehen die Reform des Währungssystems sowie schärfere Kapitalvorgaben für internationale Großbanken.

Seite 1:

Versicherer schicken Brandbrief an die Finanzminister

Seite 2:

Deutschland fordert schärfere Regulierung

Kommentare zu " G-20: Versicherer schicken Brandbrief an die Finanzminister"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gut, dass das Thema Forderungen auf dem Tisch ist!

    Ich, ein Versicherter, fordere handlungsfähige, schnell entscheidente, unabhängige Schiedsgerichte, die im Streitfall über die Auszahlung von Versicherungen entscheiden.

    Weiter fordere ich, dass auch das Kleingedruckte mit der selben Buchstabengröße gedruckt wird wie der Kernvertrag und kein Vertrag darf mehr als 10 Seiten umfassen. Das Kleingedruckte einbezogen.

    Jetzt sagt nicht gleich, das geht nicht!

  • man möchte sich nicht dazu versteigen Ereignisse als "superplatten Vulgärkommunismus° zu bezeichnen.
    Indes dürfte klar geworden sein - wes Geistes Kind Deutsche sein könnten.
    Dafür klingt der Ton in Deutschland insgesamt doch recht hoch gegriffen.

  • Dieser superplatte Vulgärkommunismus ist unerträglich. Wem noch nicht mal klar ist, worin die Unterschiede zwischen Banken und Versicherungen bestehen und welche irrwitzigen politischen Rahmenbedingungen zur gegenwärtigen Krise, die bitteschon eine von Klientelbegünstigung und Vetternwirtschaft angetriebene Staatsverschuldungskrise und keine Bankenkrise ist, geführt haben, sollte lieber schweigen und sich erst mal gründlich informieren. Wenn die Politik Banken + Versicherungen teilweise vorschreibt, Anleihen zur Absicherung etwa privater Renten zu kaufen, weil die angeblich so sicher sind, und Banken von einer Absicherung durch Eigenkapital bei Staatsanleihen entbindet, kann sie nicht ruckartig das Ruder rumreißen, weil allmählich klar wird, dass die EU durch den Verstoß gegen Maastricht und durch fehlende Sanktionsmöglichkeiten gegen die Schuldenmacherstaaten einschließlich Frankreich zur einzigen GEldverschleuderungsunion geworden ist, in der die PIIG-Staaten gar nicht daran denken zu sparen, weil der Norden und vor allem Deutschland sie ja ohnehin finanziert und auffängt. Erhöhung der Eigenkapitalquote ist okay, aber bitte schrittweise, sonst gibt's keine Investitionskredite mehr. Was derzeit an Unverantwortlichkeit und Inkompetenz unterwegs ist, hält niemand, der auch nur ein wenig bei Verstand ist aus. So fährt man selbst Deutschland an die Wand und vernichtet die privaten Rentenversicherungen, treibt die jungen Eliten aus Europa (der derzeitige Exodus ist gewaltig), bewirkt einen Rückzug von Investoren, eine Abwanderung mittelständischer Unternehmen ins außereuropäische Ausland etc. Dann krachts hier auf den Straßen gewaltig, vor allem in Deutschland, wo gerade auch in der Unterschicht heftigste Verteilerkämpfe zwischen noch nicht mal der deutschen Sprache mächtigen Zuwanderern in unser Sozialsytem und deutschen Sozialhilfeempfängern toben werden. Immer schön weiter so, muss doch restlos kaputtzukriegen sein unser System.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%