Geldhäuser
Bank BIZ sieht keine Delle beim Kreditniveau

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich führten die krisenbedingt geringeren Bilanzsummen europäischer Banken nicht zu geringeren Kreditvergaben. Andere Banken sowie Fonds und Anleihekäufer füllten die Lücke.
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FrankfurtDie schrumpfenden Bilanzen der europäischen Banken haben die Kreditvergabe zuletzt kaum beeinträchtigt. Andere Institute seien in die Bresche gesprungen, große Fonds und Anleihekäufer hätten ebenfalls geholfen, die Lücke zu schließen, geht aus dem am Sonntag veröffentlichten Quartalsbericht der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor. „Eine offene Frage ist aber, ob andere Finanzinstitute die europäischen Banken auch dann noch ersetzen können, wenn sie ihre Bilanzen weiter abbauen sollten“, warnen die Experten der als „Bank der Notenbanken“ titulierten BIZ.

Dieser Abbau der Bilanzrisiken nach der Finanzkrise - den die Baseler Experten als notwendig ansehen - könnte aber sanfter vonstatten gehen, weil die EU-Banken von den billionenschweren Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Jahresbeginn und vom verbilligten Zugang zu Dollar-Finanzmitteln profitieren.

Vor allem die kapitalschwachen unter den europäischen Banken haben nach Erkenntnissen der BIZ in den vergangenen Monaten ihre Kredite vor allem außerhalb der Euro-Zone und in Dollar gekürzt, etwa für die Finanzierung großer Projekte und für Übernahmen. Zum einen hatte sich die Refinanzierung in der US-Währung etwa für französische Banken deutlich verteuert, weil Geldmarktfonds sich zurückzogen. Zudem führte die Aufforderung der EU-Bankenaufsicht EBA an die Banken, ihre Kapitalpolster bis Juni 2012 auf neun Prozent der risikogewichteten Aktiva (RWA) in der Bilanz aufzustocken, dazu, dass die Institute sich von riskanten Geschäften trennten.

Für große Erleichterung sorgte aber die Vergabe dreijähriger Refinanzierungsmittel durch die EZB. Mit mehr als einer Billion Euro deckten die Banken in Summe bereits 80 Prozent ihrer bis Ende 2014 fällig werdenden Mittel ab.

Dennoch wird der Schrumpfungsprozess in den Bilanzen vieler europäischer Banken nach Ansicht der BIZ-Experten weitergehen. Sie beschränken sich auf ihre Kerngeschäft, das meist in den Heimat- oder angrenzenden Ländern liegt. In den USA legten sie dagegen strenge Maßstäbe an ihre Kreditvergabe an. Auch in den aufstrebenden Ländern Asiens und Südamerikas vergaben sie weniger Kredite, nicht aber in Europa selbst. Das machten in der Exportfinanzierung die asiatischen Institute wett, während bei schuldenfinanzierten Übernahmen Hochzins-Anleihen die mangelnde Verfügbarkeit von Bankkrediten nicht kompensieren konnten.

Der Bilanzabbau und die strengeren Eigenkapitalvorgaben der Aufseher werden den Banken langfristig zugute kommen, weil ihre Refinanzierungskosten dadurch sinken, heißt es in einer weiteren Studie der BIZ. Das zeige, dass die Forderung der Aufseher an die Banken richtig sei, in guten Zeiten Kapitalpolster für die Rezession aufzubauen. Der bei der BIZ angesiedelte Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht will, dass die Institute einen antizyklischen Puffer aufbauen, der nur im Konjunkturabschwung angetastet werden darf.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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