Gewinnprognose deutlich gesenkt
Talanx kehrt Lebens- und Rentenversicherungen den Rücken

Der Versicherungskonzern Talanx steigt aus dem klassischen Lebensversicherungsgeschäft aus. Gleichzeitig korrigiert das Unternehmen seine Gewinnprognose deutlich nach unten. Schuld sind die niedrigen Zinsen.
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FrankfurtDeutschlands drittgrößter Versicherer Talanx will aus dem Geschäft mit klassischen Lebens- und Rentenversicherungen aussteigen. Von 2016 an will das Unternehmen aus Hannover im Neugeschäft nur noch "kapitaleffiziente" Produkte anbieten, die zumeist ohne lebenslange Garantien auskommen, wie Talanx am Dienstagabend mitteilte. Ähnliche Schritte hatten zuvor schon die Konkurrenten Axa und Generali angekündigt. Talanx gehört mit den Marken HDI Leben, Postbank Leben, Targo Leben und Neue Leben zu den fünf größten Anbietern von Lebensversicherungen in Deutschland. Die Branchenaufsicht BaFin drängt die Versicherer, die bisherigen, angesichts der niedrigen Zinsen kostspieligen Produkte aufzugeben.

Im Zuge dessen muss Talanx in der Bilanz im zweiten Quartal 155 Millionen Euro auf den Firmenwert der Lebensversicherungs-Töchter abschreiben. Nötig war die Überprüfung geworden, weil der Konzern die Lebensversicherer von den Schaden- und Unfall-Töchtern organisatorisch getrennt hatte, um dort neue Vorstände einzusetzen, wie ein Sprecher erläuterte. Der Gewinn soll 2015 trotzdem noch 600 bis 650 Millionen Euro erreichen. Bisher war Talanx von mehr als 700 Millionen ausgegangen. Ohne die Wertkorrektur hätte der Versicherer seine Prognosen damit sogar erhöhen können. Bei der Festsetzung der Dividende für 2015 soll die Abschreibung nicht ins Gewicht fallen, wie Vorstandschef Herbert Haas versprach.

Das deutsche Privatkundengeschäft ist das Sorgenkind von Talanx. Die Lebensversicherung steuerte im vergangenen Jahr mit 5,4 Milliarden Euro den größten Teil zu den Beitragseinnahmen im Inlandsgeschäft bei. "Mit den Maßnahmen stärken wir die deutschen Lebensversicherer für ein anhaltend herausforderndes Marktumfeld", erklärte Haas den Schritt. Die Kunden sollen dann nur noch die eingezahlten Beiträge, nicht aber eine feste Verzinsung bis zum Ende der Laufzeit garantiert bekommen. Dafür stellen ihnen die Lebensversicherer höhere jährliche Überschüsse in Aussicht, weil die Beiträge weniger konservativ angelegt werden müssen. Talanx will künftig unter anderem mehr Geld in Infrastruktur-Projekte stecken.

Der Umbau der Produktpalette soll bis 2017 vollzogen sein. Kosten lässt ihn sich Talanx zunächst 170 Millionen Euro, die unter anderem in eine stärkere Digitalisierung und eine intern einheitliche IT für alle vier Lebensversicherer im Konzern fließen sollen. Mit großen Unternehmen, deren betriebliche Altersvorsorge Talanx organisiert, soll über eine Umstellung der Verträge gesprochen werden. Insgesamt erhofft sich Talanx davon Einsparungen von 70 Millionen Euro im Jahr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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