Goldman Sachs
Fed bestraft US-Bank in einem delikaten Fall

Die US-Notenbank Federal Reserve geht gegen Goldman Sachs vor - wegen eines Vorgangs, in den die Institution der Geldhüter selber verstrickt war. Wohl auch deshalb ist ihr Ärger über den Vorfall besonders groß.

New YorkEs ist schon ein eigentümlicher Vorgang. Die US-Notenbank (Fed) bestraft Goldman Sachs, weil ein Angestellter der Bank mit Erfolg einen Mitarbeiter der Fed als Informanten angezapft hat. Logischerweise müsste die Fed sich selber auch für die hausinterne Sicherheitslücke bestrafen, davon ist aber keine Rede.

Goldman Sachs muss jetzt einen Betrag von 36,3 Millionen Dollar zahlen, wie die Fed mitteilt. Außerdem bekommt sie die Auflage, ihre Kontrollsysteme zu verbessern. Personen, die in den Skandal verwickelt waren, dürfen nicht mehr bei der amerikanischen Bank arbeiten und auch nicht als Berater engagiert werden.

Außerdem hat die Fed angekündigt, dass sie gegen Joseph Jiampietro, einen früheren Managing Director der Bank, ebenfalls eine Strafe und ein unbefristetes Berufsverbot durchsetzen möchte. Man ahnt trotz des gewohnt zurückhaltenden Tons der Fed, dass sie in dem Fall besonders wütend ist, weil sie selbst darin verwickelt war. Sie stellt heraus, dass Goldman die illegal erhaltenen Informationen sogar in Kundengesprächen eingesetzt hat.

Der Übeltäter hieß Rohit Bansal. Er hatte zunächst bei der Fed New York gearbeitet und war danach zu Goldman Sachs gewechselt. In seiner neuen Position nahm er Kontakt zu Jason Gross auf, einem Freund und früheren Kollegen. Er bekam von ihm 35 geheime Dokumente, bei denen es offenbar um Details der Bankenaufsicht ging.

Gross wie auch Bansal wurden gefeuert und zu Gefängnisstrafen auf Bewährung verurteilt. Bansal bekannte bei seiner Verurteilung im März: „Während meiner kurzen Zeit bei Goldman Sachs habe ich wirklich aus den Augen verloren, was richtig ist.“ Goldman Sachs feuerte auch Jiampietro, den Vorgesetzten von Bansal, weil der seinen Mitarbeiter nicht gut genug beaufsichtigt hatte. Die Fed verdächtigt den Mann offenbar sogar, Bansal angestiftet zu haben. Fest steht, dass er Dokumente von Bansal erhalten hat. Er behauptet aber, er habe sie nie gelesen und auch nicht gewusst, dass sie auf illegalem Weg ins Haus gekommen waren.

Leicht absurd mutet an, dass Jiampietro seinerseits Goldman Sachs auf die Zahlung von 350.000 Dollar verklagt hat. Denn noch während er bei der Bank beschäftigt war, hatte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Die brachte kein Ergebnis, und Jiampietro möchte jetzt die Anwaltskosten aus diesem Zeitraum von der Bank erstattet haben. Nach dem Motto: Damals war ich noch angestellt, also ist die Bank zur Übernahme der Rechtskosten verpflichtet.

Goldman Sachs musste wegen des Vorfalls bereits rund 50 Millionen Dollar Strafe an die Finanzaufsicht des Staates New York zahlen. Die Geldbuße der Fed kommt jetzt hinzu. Es ist in den USA normal, dass sich Strafen verschiedener Behörden, die denselben Vorgang betreffen, einfach addieren.

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