Griechenland-Krise
EZB ruft Finanzinstitute zu Hilfe

Aus Angst vor möglichen Staatspleiten im Euro-Raum sucht die Europäische Zentralbank (EZB) heimlich nach professioneller Hilfe. Mehr als fünf Finanzinstitute sind dabei im Rennen.
  • 40

FrankfurtWie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, will sich Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet von einem renommierten Finanzinstitut Handlungsmöglichkeiten aufzeigen lassen, wie die Zentralbank bei einer Staatspleite im Währungsraum reagieren soll, um Ansteckungsgefahren zu verhindern. Mehr als fünf Finanzinstitute hat die Zentralbank in den vergangenen Tagen angeschrieben und gebeten, sich zu bewerben.

Eigentlich sollte die Suche der EZB nach einem beratenden Institut geheim bleiben. Die EZB habe gezielt eine gute Handvoll Banken und Consultants gefragt, berichten Finanzkreise. Der Auftrag ist bislang noch nicht vergeben. Die EZB wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Im Finanzministerium wollte sich mit Verweis auf die Unabhängigkeit der Notenbank niemand äußern. Die EZB will sich vor allem mit Blick auf die Refinanzierung und die Liquidität der Banken beraten lassen. Außerdem sollen die Bilanzen der Institute analysiert werden.

Die Währungshüter erhoffen sich vor allem Unterstützung für den Fall einer "unkontrollierten" Staatspleite. Denkbar ist eine solche Situation vor allem deshalb, weil kaum jemand sagen kann, wie sich beispielsweise die Banken in den Krisenländern Griechenland und Portugal im Fall einer Staatspleite verhalten. Wie aus dem Umfeld des internationalen Bankenverbands IIF zu hören ist, mehren sich aktuell die Anzeichen, dass sich die Lage wieder verschärfen könnte.

Nach dem Beschluss der Euro-Regierungschefs Ende Juni, für Griechenland ein zweites Hilfspaket zu schnüren, ist kurzfristig die Gefahr einer Staatspleite in dem Land zwar kleiner geworden. Doch über die Details des Rettungsprogramms gibt es weiter Streit. Und weil auch das Treffen der Euro-Finanzminister heute keine Lösung bringen wird, bleiben Trichet und seine Zentralbank-Kollegen nervös.

Um die griechischen Banken zu stabilisieren, soll das zweite Hilfspaket für Griechenland auch Mittel für die griechischen Banken enthalten, erfuhr das Handelsblatt aus dem Bundesfinanzministerium. Bereits das laufende Hilfspaket enthalte zehn Milliarden Euro für die Bankenrettung. Dieses Geld sei aber bisher nicht abgerufen worden, hieß es weiter. Die Verhandlungen der Euro-Gruppe am heutigen Montag wurden im Ministerium als Zwischenschritt auf dem Weg zum neuen Hilfspaket bezeichnet. Ursache seien die sehr schwierigen Verhandlungen über die Beteiligung des Privatsektors.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Griechenland-Krise: EZB ruft Finanzinstitute zu Hilfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich sag nur eins: Bayreuther Festspiele. wer macht mit?

  • Zu Hilfe! Wofuer haven wir diese Leute denn seit Jahren bezahlt?

  • Wollen wir es hoffen !!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%