Griechenland-Umschuldung
„Positive Signale von den Rating-Agenturen“

Banken und Politiker verhandeln intensiv über Griechenlands Rettung. Wenn alle Banken Europas das französische Modell umsetzten, dürfte sie das 30 Milliarden Euro kosten. Deutsche-Bank-Chef Ackermann meldet Bedenken an.

Frankfurt/Berlin/ParisDie Euro-Länder können Finanzkreisen zufolge wohl bald eine wichtige Hürde auf dem Weg zu einem Rettungspaket für Griechenland nehmen. Die für den Erfolg einer Umschuldung wichtigen Rating-Agenturen hätten sich positiv zu dem vorliegenden französischen Plan geäußert, sagten mehrere Bankenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Es gibt gute Signale von den Agenturen“, betonte einer von ihnen. Die Bonitätswächter selbst äußerten sich bislang nicht zu den Vorschlägen, wie sich private Gläubiger an einem Rettungspaket beteiligen können.

Wichtig ist, dass sich Banken und Versicherer freiwillig an einer Umschuldung beteiligen, da die Rating-Agenturen Griechenland sonst als zahlungsunfähig einstufen. Das würde das hoch verschuldete Land endgültig von den Finanzmärkten abschneiden und Investoren weltweit in Nöte bringen. Der von deutschen Banken favorisierte französische Plan sieht vor, dass die Gläubiger bei Fälligkeit der alten Griechenland-Anleihen mindestens die Hälfte des Geldes wieder in neue Bonds anlegen.

„Dieser Plan wurde von Banken in Frankreich erarbeitet - daher wird er wohl nicht als politisches Diktat wahrgenommen“, sagte ein Banker mit Blick auf das Votum der Rating-Agenturen. Das Modell enthält zudem Anreize, wie einen vergleichsweise attraktiven Zins von bis zu acht Prozent für die neuen Papiere, die eine Beteiligung der Investoren wahrscheinlich machen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat unterdessen eine Pleite Griechenlands als „Kernschmelze“ bezeichnet, die für Europa noch größere Folgen als die Lehman-Pleite hätte. Das sagte er am Mittwoch in Berlin. Zugleich warnte er vor einem Schnellschuss bei der angestrebten Gläubigerbeteiligung an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. „Das klingt alles so einfach, freiwillig verlängern“, sagte Ackermann bei einer Konferenz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Blick auf eine mögliche Laufzeitverlängerung für griechische Anleihen.

Die Folgen für die Rechnungslegung, die Finanzwelt sowie die Ansteckungsproblematik müssten bedacht werden. Es gehe um „höchste Komplexität“. Grundsätzlich betonte Ackermann, alle Akteure wollten gemeinsam verhindern, „dass die Weltwirtschaft noch einmal wie 2008 an den Rande des Kollapses gerät“. Das Finanzministerium verhandelt derzeit mit Banken und Versicherern über einen freiwilligen, substanziellen Beitrag bei der Athen-Rettung.

Das französische Modell für eine Beteiligung der Banken an der Griechenland-Hilfe nimmt an, dass der Athener Regierung von Juli 2011 bis Juli 2014 netto 30 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Das geht aus einem Papier des französischen Bankenverbandes hervor, das der Nachrichtenagentur Dapd am Mittwoch vorlag.

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