Hauptversammlung
Denkzettel für Führung der Credit Suisse

Auf Druck der Aktionäre musste die Schweizer Bank die Boni ihres Managements kürzen. Am Ende wurden die neuen Gehälter trotzdem nur mit dünner Mehrheit genehmigt. Der Sieg dürfte sich wie eine Niederlage anfühlen.
  • 0

ZürichUrs Rohner hatte bei der diesjährigen Hauptversammlung der Schweizer Großbank Credit Suisse besondere Gäste zu begrüßen. Der Verwaltungsratschef des Unternehmens hieß in seiner Willkommensrede Studenten der Züricher Hochschule der Wirtschaft im Saal willkommen. Die jungen Frauen und Männer stehen kurz vor ihrem Abschluss eines Kommunikationsstudiums an der Universität – und wollten offenbar miterleben, welche Kommunikation nötig ist, wenn eigentlich alles andere falsch läuft.

Rohner wusste, worauf er sich beim Aktionärstreffen seiner Bank an diesem Freitag im Züricher Hallenstadion gefasst machen musste. Zwar hat die Großbank zuletzt viel unternommen, um ihren Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Top-Management verzichtet auf einen Teil seiner letztjährigen Boni. Am Mittwoch wurde schließlich auch dem langen Hin und Her um den Börsengang des Schweizer CS-Geschäfts ein Ende gesetzt. Stattdessen will Credit Suisse über die Ausgabe neuer Aktien bis zu vier Milliarden Franken einnehmen. Dieser Schritt könnte dazu führen, dass die „alten“ Aktien an Wert verlieren.

In den vergangenen zwei Jahren häufte das Management einen Verlust von 5,7 Milliarden Franken an. Trotzdem wollte der Verwaltungsrat insgesamt 78 Millionen Franken an sich selbst und den Vorstand der Bank ausschütten. Alleine Vorstandschef Tidjane Thiam sollte insgesamt knapp zwölf Millionen Franken, zusammengesetzt aus Grundgehalt und variabler Vergütung, erhalten.

Nach heftigem Widerstand von Aktionären ruderte Verwaltungsratschef Rohner bei der geplanten Millionenausschüttung für die Chefetage zurück. Sie kürzte die schon beantragten Boni nachträglich um rund 40 Prozent. Später veröffentlichte sie einen neuen Vergütungsbericht, über den bei der heutigen Hauptversammlung abgestimmt worden ist. Statt rund 78 Millionen Franken (rund 73 Millionen Euro) zahlt die Bank demnach nur noch 48 Millionen Franken für leistungsbezogene Vergütung aus. Die Sensibilität in Entschädigungsfragen sei in diesem Jahr besonders hoch, sagte der Präsident des Verwaltungsrates, Urs Rohner.

Am Ende segneten die Groß- und Kleinanleger den neuen Vergütungsbericht ab, allerdings denkbar knapp. Gerade einmal knapp 58 Prozent stimmten dafür. Bei den weiteren Abstimmungen zu den Gehältern und Boni für das laufende Geschäftsjahr kam es zu keinen Überraschungen. Allerdings kann die CS-Führung mit den Ergebnissen alles andere als zufrieden sein. Die Honorare des Verwaltungsrats in Höhe von zwölf Millionen Franken kamen auf einen Ja-Anteil von 73 Prozent. Die kurzfristige variable Vergütung der Geschäftsleitung von insgesamt 17 Millionen Franken für das Jahr 2016 wurde mit 60 Prozent angenommen. Die langfristigen Boni für die Geschäftsleitung in Höhe von 31 Millionen Franken erhielten 74 Prozent Zustimmung.

Rohner, der mit 90 Prozent wiedergewählt worden war, versprach anschließend, sich künftig stärker mit der Vergütungspolitik auseinanderzusetzen. Das Abstimmungsergebnis nennt er „enttäuschend“. Bereits im vergangenen Jahr war die Zustimmung zum Vergütungsbericht mit 79 Prozent sehr niedrig. Für eine Entlastung des Verwaltungsrats stimmten am Ende 88 Prozent der Anleger, 98 Prozent für eine Absegnung des Bilanzgewinns und 95 Prozent für die vorgeschlagene Dividende von 0,70 Franken pro Aktie.

Die Aktionäre stören sich offenbar immer noch daran, dass Konzernchef Tidjane Thiam trotz eines Verlustes von 2,7 Milliarden Franken im vergangenen Jahr immer noch 10,2 Millionen Franken Gehalt bekommen soll. Viele Kleinanleger sowie Vertreterinnen und Vertreter von Interessengruppen hatten in ihren „Votum“ genannten Redebeiträgen zudem die Geschäftsleitung mehr oder weniger direkt angegriffen. Der Kleinaktionär Hermann Struchen, dessen Auftritte an Generalversammlungen von Schweizer Unternehmen geradezu legendär sind, erklärte, bei der jüngsten Kapitalerhöhung habe er noch mitgemacht. An der nächsten werde er sich aber vermutlich nicht beteiligen.

Seite 1:

Denkzettel für Führung der Credit Suisse

Seite 2:

Die Führung taumelt schon ins nächste Fettnäpfchen

Kommentare zu " Hauptversammlung: Denkzettel für Führung der Credit Suisse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%