„Hochspekulativ“
Mirow warnt vor Euro-Austritt Griechenlands

Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sei riskant, warnt Thomas Mirow von der Osteuropabank EBRD. Allein schon die Debatte sei gefährlich. Es drohe ein Kundenansturm auf die Banken mit unkalkulierbaren Folgen.
  • 48

Der Chef der Osteuropabank EBRD, Thomas Mirow, hat vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. "Ich halte die Debatte über einen Euro-Austritt und eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme für hochspekulativ und gefährlich. Niemand weiß, welche Reaktionen ein solcher Schritt auslösen würde", sagte Mirow im Interview mit dem Handelsblatt.

Die damit verbundene Risikodynamik wären erheblich, argumentiert der frühere Finanzstaatssekretär der Bundesregierung. "Investoren außerhalb Europas würden den Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft als Grund sehen, generell die Architektur des Währungsraums infrage zu stellen", sagte Mirow weiter. Eine solche Debatte wäre verheerend für die Zukunft der Euro-Zone. "Ganz zu schweigen von den Gefahren eines möglichen Bank Run."

Der EBRD-Chef geht davon aus, dass Griechenland über Jahre Hilfe benötigt. "Es geht dort nicht nur um ein paar Reformen. Es müssen grundlegende Strukturen überhaupt erst aufgebaut werden. Es fehlt an einem funktionsfähigen Staatswesen. Das lässt sich nicht in ein paar Monaten aufbauen, das dauert Jahre", sagte Mirow. Leider sei bisher die politische Unterstützung der griechischen Parteien für Regierungschef Papademos nicht so umfassend wie die der italienischen Parteien für Monti.

"Daran muss sich dringend etwas ändern, weil die Euro-Staaten zu Recht die Umsetzung von Reformen zur Voraussetzung für weitere Hilfsleistungen machen. Ohne Subsidiarität kann es keine Solidarität geben", betonte Mirow.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " „Hochspekulativ“: Mirow warnt vor Euro-Austritt Griechenlands"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man sollte sich keine Illusionen machen. Die dt. Schulden sind jetzt schon nicht abzutragen. Wer das noch immer glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.
    http://www.hartgeld.com/filesadmin/images/cartoons/AN-schuldenrueckzahlung-de.jpg

  • Um zu verhindern dass "generell die Architektur des Währungsraums infrage gestellt wird" wäre eben eine Änderung dieser Architektur notwendig.
    Eine Währungsunion unter so ungleiche Mitgliedern, ohne Fiskalunion und teilweise Verzicht auf Steuerhoheit, ist nicht lebensfähig und früher oder später zum Scheitern verurteilt. Bitte an Merkozy weiter sagen weil deren Vorgänger tragen die Verantwortung für die jetzige Euro-Architektur.
    Diese Architektur begünstigt die stärkere Eurowirtschaften auf Kosten der Schwächeren, Anstelle der wünschenswerte Konvergenz erleben wir eine Divergenz der Wirtschaften, gerade wegen dieser mangelhafte Architektur. Kein Rettungsschirm kann groß genug sein um die Euro-Fehlkonstruktion zu retten.

  • Nicht nur in der Schweiz... Das Geld fließt einfach an die griechischen Eliten, die sich weiter bereichern, und das Geld rasch ins Ausland, gerne nach Deutschland, schaffen. Warum die Finanzwelt das Europrojekt skeptisch sehen soll, wenn es ein Wirtschaftszwerg wie Griechenland nicht schafft - was seit 2 Jahren allen bekannt ist -, wird wohl auf immer ein Geheimnis sein. Was die Finanzmärkte wirklich verunsichert, ist, daß in Europa Recht & Gesetz nicht mehr gelten: nach den Maastricht Verträgen hätte Griechenland Pleite gehen müssen, die Versicherungen hätten ihren Teil bezahlt, und alles wäre den bekannten, vorhergesehenen Gang gegangen. Da kommen die Politiker und versprechen, dass kein Euroland je pleite gehen wird (Warum? Qui bono?) - und wittern Morgen-luft und wollen nun genau wissen, wie das gehen soll. Den ersten Akt haben wir ja schon gesehen: Die EZB verleiht Geld für 1%, die Banken kaufen die Staats-anleihen, und mit den Zinsgewinnen heilen sie ihre Eigenkapitalausstattung... Das Problem ist: Es gibt keine einzige politische Kraft, kein einziges Medium, das sich gegen diesen €-Wahnsinn stemmt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%