HSBC Deutschland
Gute Zahlen, langsameres Wachstum

Die Düsseldorfer Privatbank HSBC hat bessere Zahlen vorgelegt als die britische Konzernmutter. Der Gewinn vor Steuern stieg, die Bank konnte Marktanteile dazugewinnen. Das Kreditgeschäft wuchs jedoch langsamer als zuvor.
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Wenn die Tochter die Mutter überflügelt, hängt entweder der Haussegen schief – oder alle Beteiligten profitieren. Bei der britischen Großbank HSBC und ihrer Tochter HSBC Deutschland dürfte eher letzteres der Fall sein. Um 5,7 Prozent ist der Gewinn vor Steuern der Düsseldorfer Privatbank 2016 gestiegen, auf 229,9 Millionen Euro. Das markiert den besten Wert in der über 230-jährigen Geschichte der Bank. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern liegt fast unverändert bei 11,8 Prozent – und damit deutlich über den Werten von Deutscher Bank und Commerzbank.

Schwächer gewachsen ist das Kreditgeschäft. Während das Kreditvolumen ab 2013 jährlich um 20 bis 30 Prozent gestiegen ist, legte es 2016 nur noch um 7,8 Prozent zu. Das liegt aber immer noch deutlich über dem Marktschnitt; der gesamte deutsche Kreditmarkt wuchs nach letzten Zahlen der Bundesbank um 2,3 Prozent.

HSBC Trinkaus & Burkhardt, so der volle Name der Düsseldorfer Bank, gehört mehrheitlich der britischen HSBC. Deren Gewinn brach 2016, auch aufgrund des schwächelnden Wachstums auf wichtigen Märkten wie Großbritannien und Hongkong, überraschend um 62 Prozent ein – wenn auch die absolute Zahl, 7,1 Milliarden Dollar, immer noch beeindruckt.

Die deutsche Tochter profitierte unter anderem von hohen Provisionseinnahmen bei der Beratung und Kreditfinanzierung großer Firmenübernahmen. So mischt HSBC Deutschland als einzige deutsche Bank bei der Mega-Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den Chemiekonzern Bayer mit. „Dieser Erfolg spricht für die Leistungsfähigkeit des HSBC-Netzwerks und die Kapitalkraft der HSBC-Gruppe“, sagte Vorstandssprecherin Carola von Schmettow am Mittwoch.

2017 will die Bank den Gewinn vor Steuern leicht steigern und das Geschäft mit international orientierten Mittelständlern ausbauen. Hierzu will von Schmettow auch die im Dezember erhaltene Kapitalspritze des Mutterkonzerns nutzen. Diese hatte die Kernkapitalquote auf 12,3 Prozent aufgebessert (nach 10,3 Prozent im Vorjahr). Damit sieht sich die Bank auch für neue Vorgaben der Bankenaufsicht gerüstet.

Als Belastung bezeichnete von Schmettow, die in der Vergangenheit die Politik der Europäischen Zentralbank noch verteidigt hatte, das negative Zinsumfeld und die Kosten der Regulierung im Nachgang der Finanzkrise: „Wir erzielen heute ein etwas höheres Ergebnis als im Jahr 2007 vor der Krise, brauchen dafür aber rund 30 Prozent mehr Personal und 50 Prozent mehr Kapital.“

In den aktuellen Niedrigzins-Zeiten setze man weniger auf Neukunden und Kreditvergabe. Vielmehr wolle man an jedem Kunden mehr verdienen, sagte die Bankchefin. „Nach der volumengetriebenen Wachstumsphase, um Marktanteile zu gewinnen, fokussiert sich unser Haus nun auf eine renditeorientierte Strategie.“

Diese könnte aufgehen: Der Provisionsüberschuss stieg um 7,6 Prozent auf 475 Millionen Euro – und zählte damit zu den zehn größten Provisionsüberschüssen deutscher Banken. Der Zinsüberschuss ist um 4,8 Prozent auf 211,4 Millionen Euro gewachsen, auch, weil die Bank Negativzinsen an institutionelle Kunden konsequent weitergibt. Negativzinsen für Privatkunden schloss HSBC Deutschland jedoch weiter aus.

Zwar ist die deutsche HSBC gemessen an der Bilanzsumme von rund 23 Milliarden Euro ein kleiner Fisch (die Deutsche Bank kommt auf 1,5 Billionen Euro), jedoch ist sie Teil der weltweiten HSBC-Gruppe. Diese wurde 1865 als Hongkong & Shanghai Banking Corporation gegründet und ist heute die größte Bank Europas. Sie besitzt gut 81 Prozent der Anteile, gut 19 Prozent der HSBC Deutschland hält die Landesbank Baden-Württemberg, der kleine Rest befindet sich in Streubesitz.

Die Düsseldorfer nehmen zunehmend eine Mittlerrolle ein: Sie erschließen deutschen Mittelständlern und Konzernen, die international expandieren, ein weltweites Netzwerk. Heißt: viele große Deals, die die deutsche Tochter vermittelt, laufen über die Bilanz der Londoner Konzernmutter. Komplimentiert wird das Deutschland-Geschäft von einer kleinen Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden.

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