Hypo Alpe Adria
Aiginger: Insolvenz wäre eine Option

Seit Monaten überlegt Österreich, wie sie die kriselnde Staatsbank Hypo Alpe Adria abwickelt. Eine Insolvenz dürfe im Vorfeld nicht kategorisch ausgeschlossen werden, meint der Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes.
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WienÖsterreich sollte nach Ansicht eines seiner führenden Wirtschaftsexperten eine Insolvenz der kriselnden Staatsbank Hypo Alpe Adria nicht kategorisch ausschließen. „Wir müssen diese Lösung auch ins Auge fassen“, sagte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, am Montag. Er widerspricht damit der offiziellen Linie der österreichischen Regierung und des Nationalbankchefs Ewald Nowotny, die eine Pleite der ehemaligen BayernLB -Tochter wegen der unabsehbaren Folgen ausgeschlossen hatten.

Vor einem solchen 'Nein' zu einer Insolvenz müssten deren konkrete Auswirkungen geprüft werden, sagte Aiginger. „Man solle definieren, was man glaubt, dass dabei das Problem ist - und schauen, ob man dafür Lösungen hat oder nicht; dann wird man sehen, ob das eine gangbare Lösung ist oder nicht.“

Die österreichische Regierung ringt seit Monaten um eine Lösung für die Abwicklung der Krisenbank. Eine Expertengruppe hat dafür vier verschiedene Modelle erarbeitet, die von einer Beteiligung privater Banken an einer Abbaugesellschaft bis hin zu einer Abwicklungsanstalt in Staatsbesitz reichen. Auch eine mögliche Insolvenz hatte die Gruppe geprüft - dann aber verworfen.

Nach Ansicht Aigingers sollte diese Variante jedoch auch im Hinblick auf die geplante europäische Bankenunion geprüft werden. Sie sieht ebenfalls vor, dass kriselnde Banken künftig in die Pleite geschickt werden können, um Staatshaushalte nicht über Gebühr zu belasten.

Zudem könnte das Damoklesschwert einer Hypo-Insolvenz auch die Verhandlungsposition im Rechtsstreit mit der Ex-Hypo-Mutter BayernLB stärken, sagte Aiginger. Die Bayern pochen auf die Rückzahlung von rund zwei Milliarden Euro an Krediten, die bei einer Insolvenz der Hypo wohl hinfällig wäre. „Von vornherein 'Nein' zu sagen, führt dazu, dass die Bayern sicher nicht mitzahlen. Wenn die Option zumindest theoretisch möglich ist, kann man sicher anders verhandeln“, sagte der Wirtschaftsexperte.

Eine Pleite der Hypo dürfte auch zu Turbulenzen beim Bundesland Kärnten führen - das über Jahrzehnte hinweg die Expansion der Hypo mit billigen staatsgarantierten Anleihen unterstützt hatte. Sollte Kärnten nicht für die Bank einspringen können, müsste wohl der österreichische Staat für sie gerade stehen - auch um die Pleite eines Bundeslandes zu verhindern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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