Hypo Real Estate
Bund lässt Verkauf von Bad Bank-Tochter Depfa platzen

Die verstaatliche Immobilienbank HRE hatte alles für ihre Tochter Depfa vorbereitet: Kaufinteressenten, unterschriftsreife Verträge - doch der Bund funkte dazwischen. Eine Abwicklung sei besser für den Steuerzahler.
  • 0

Berlin/MünchenDie verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) wickelt ihre irische Tochter Depfa ab. Das teilten das Bundesfinanzministerium, die HRE sowie die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung am Dienstagabend in Berlin und München mit. Damit ist der ursprünglich angepeilte Verkauf der Depfa vom Tisch.

Der Lenkungsausschuss des staatlichen Rettungsfonds SoFFin entschied sich nach mehrstündigen Beratungen dafür, die Bank und deren Wertpapierbestände über die Zeit lieber in Eigenregie abzuwickeln, als sie an einen Finanzinvestor zu verkaufen, wie das Finanzministerium am Dienstagabend mitteilte. „Die Abwicklung verspricht für den Steuerzahler das bessere Ergebnis“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.

Das gesamte Kreditgeschäft der Depfa im Wert von rund 34 Milliarden Euro soll in die Abwicklungsanstalt der HRE mit Sitz in München verschoben werden. Diese so genannte Bad Bank muss dann versuchen, möglichst viel davon noch zu Geld zu machen. Derzeit ist die Abwicklungsanstalt mit dem Namen FMS Wertmanagement noch damit beschäftigt, die Reste der HRE auf den Markt zu bringen.

Die Depfa war vor fast sechs Jahren Auslöser der HRE-Notlage, weil sie Geld langfristig verliehen und sich extrem kurzfristig refinanziert hatte. Nach der Lehman-Pleite ging diese Rechnung nicht mehr auf und sie kam nicht mehr an Geld: Es fehlten plötzlich 35 Milliarden Euro und die HRE musste in einer dramatischen Rettungsaktion vom Staat aufgefangen und später verstaatlicht werden. Seit Monaten stand die Depfa, die die HRE in ihren besten Zeiten als DAX-Konzern im Jahr 2007 für fünf Milliarden Euro gekauft hatte, zum Verkauf.

HRE-Chefin Manuela Better zeigte sich am Dienstagabend enttäuscht. Mit einem Interessenten war ihren Angaben nach bereits ein unterschriftsreifer Vertrag zu vorteilhaften Konditionen ausgehandelt worden. Der Bund als Eigentümer der HRE entschied sich aber stattdessen für die Abwicklung. „Selbstverständlich lag die Entscheidung gegen einen Verkauf und für die weitere Abwicklung der Depfa unter der FMS-WM beim Eigentümer. Wir werden den Übergang konstruktiv begleiten“, kündigte Better an. Das profitable Geschäft führt die HRE inzwischen in der Pfandbriefbank pbb, die sie auf Druck der EU-Kommission aber auch verkaufen muss.

Für das gesunde HRE-Überbleibsel Pfandbriefbank pbb, das auf EU-Geheiß bis Ende 2015 privatisiert werden muss, ist die Entscheidung des Bundes ein denkbar schlechtes Vorzeichen, weil Investoren abgeschreckt werden könnten. Dennoch hält der Bund an dem geplanten Verkauf der pbb fest.

Auf die Bad Bank der HRE kommt mit der Abwicklung der Depfa viel Arbeit zu. Die Abwicklungsanstalt hatte im Oktober 2010 die Altlasten der HRE geerbt, um davon möglichst viel wieder zu verkaufen. Das gelang bislang besser als erwartet. Seit dem Start hat sie Risikopapiere und Kredite im Wert von rund 56 Milliarden Euro abgebaut, immerhin fast ein Drittel des gesamten Bestandes. Wie schon 2012 schaffte die Anstalt auch 2013 einen Gewinn, unter dem Strich stand ein Plus von 117 Millionen Euro.

Zu Hilfe kam der Anstalt allerdings das günstige Umfeld: Investoren sind angesichts niedriger Zinsen wieder deutlich risikofreudiger geworden und greifen auch bei Anleihen oder Krediten zu, die früher kaum verkäuflich waren. Alles wird sich aber nicht zu Geld machen lassen. Der Rest wird am Ende als „Stille Reserve“ an den Bund übergehen - und damit am Ende die Steuerzahler treffen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hypo Real Estate: Bund lässt Verkauf von Bad Bank-Tochter Depfa platzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%