Hypothekenstreit
Goldman zahlt fünf Milliarden Dollar Strafe

Die Investmentbank büßt für unsaubere Geschäfte mit verbrieften Immobiliendarlehen. Im Vergleich zu anderen Banken ist sie auf den ersten Blick aber günstig weggekommen.

New YorkJetzt auch Goldman. Während andere US-Geldhäuser wie JP Morgan und Bank of America in den vergangenen Jahren zweistellige Milliardensummen wegen unsauberer Immobiliengeschäfte zahlen mussten, konnte sich Goldman Sachs weitgehend aus den Schlagzeilen heraushalten. Aber nun hat die traditionsreiche Investmentbank zugestimmt, 5,1 Milliarden Dollar Geldbuße zu zahlen.

Davon sind nach eigener Darstellung knapp 2,4 Milliarden Dollar eine zivile Geldstrafe ohne spezielle Verwendung. Der Rest wird unter anderem Kunden zu Gute kommen, die Probleme mit der Rückzahlung von Darlehen haben. Ein Teil fließt auch in Programme, die ein Angebot an erschwinglichem Wohnraum sicherstellen sollen.

Nach Aussage von Goldman belastet die Einigung, bei der einige Details noch festgezurrt werden müssen, das Ergebnis des vierten Quartals 2015 mit 1,5 Milliarden Dollar nach Steuern. Die Bank hatte im Vorjahr bereits Rückstellungen gebildet, die aber offenbar nicht ausgereicht haben. Goldman-Chef Lloyd Blankfein lässt sich mit den Worten zitieren: „Wir sind froh, dass wir in der Angelegenheit grundsätzlich zu einer Einigung gekommen sind.“

Die Vorwürfe gegen Goldman lauten, den Genossenschaften und Baufinanzieren in den Jahren 2005 bis 2007 verbriefte Immobiliendarlehen zu weit überhöhten Preisen angedreht zu haben. Diese Verbriefungen waren der Dreh- und Angelpunkt der Finanzkrise, die im Jahr 2008 ihren Höhepunkt erreichte.

In den Jahren zuvor hatten Banken und andere Finanzierungsgesellschaften in großem Umfang Baudarlehen auch an offensichtlich nicht kreditwürdige Kunden vergeben, weil sie darauf vertrauten, dass die Immobilienpreise immer weiter steigen würden. Investmentbanken haben diese Darlehen gebündelt, in verschiedene Risikoklassen eingeteilt, sich von Ratingagenturen dafür gute Noten geben lassen, und sie anschließend zum Teil als angeblich bonitätsstarke Wertpapiere an Investoren verkauft.

Als die Immobilienpreise dann doch einbrachen, gerieten zahlreiche Investoren unter Druck, Goldman erwähnte selbst den Zusammenbruch mehrerer Kreditgenossenschaften. Der Vorgang, der in dem kürzlich in den USA angelaufenen Film „The Big Short“ von und mit Brad Pitt beleuchtet wird, brachte fast das Weltfinanzsystem zum Einsturz. Nur der Einsatz von Milliarden an Steuergeld weltweit verhinderte eine noch größere Katastrophe, aber die Krise hinterlässt bis heute Spuren in der amerikanischen Volkswirtschaft und hat auch zu den Problemen in der Euro-Zone beigetragen.

Im Vergleich zu einigen anderen Banken ist Goldman auf den ersten Blick noch günstig weggekommen. Dabei produzierte die Investmentbank die Probleme selbst. JP Morgan und Bank of America hatten sich diese zum Teil durch die Übernahme angeschlagener Konkurrenten während der Finanzkrise ins Haus geholt. In einer mittlerweile legendären Einigung mit dem US-Justizministerium gestand JP Morgan im Jahr 2013 eine Summe von 13 Milliarden Dollar zu. Allerdings ist JP Morgan deutlich größer als Goldman.

Bei der Einigung steht Goldman ebenfalls dem US-Justizministerium gegenüber, außerdem den Generalstaatsanwälten der Staaten New York und Illinois, einer Behörde, die für Kreditgenossenschaften zuständig ist, sowie zwei regionalen, staatlich gestützten Immobilienfinanzierern in Chicago und Seattle. Bei solchen Vergleichen teilen die beteiligten Behörden das eingenommene Strafgeld in der Regel unter sich auf.

Nach der Finanzkrise hat Goldman Sachs die Spezialisierung auf das Investmentbanking beibehalten. Das Geldhaus ist lange Zeit in Bereichen präsent geblieben, wie etwa dem Handel mit Zins-, Kredit-, Rohstoff- und Währungsprodukten, aus denen sich andere Anbieter längst zurückgezogen haben.

Ganz scheint der Druck in diesem Bereich aber nicht an Goldman vorbeizugehen, offenbar plant der Vorstand Personalkürzungen. Morgan Stanley, ebenfalls eine Investmentbank, aber mit deutlicherem Schwerpunkt bei der Betreuung reicher Privatkunden, hat bereits Personalabbau im Handelsbereich angekündigt.

 

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