Interne Dokumente
Deutsche Bank diskutierte Kirch-Zerschlagung

Neu aufgetauchte Dokumente belegen: Wenige Tage vor dem verheerenden Interview des einstigen Deutsche-Bank-Chefs Breuer diskutierte das Institut eine Restrukturierung der Kirch-Gruppe. Es ging um viel Geld.
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Noch immer beschäftigt der Streit zwischen der Deutschen Bank und den Erben des Filmhändlers Leo Kirch um die Schuld an dem Zusammenbruch des einstigen Medienimperiums die Staatsanwaltschaft. Nun sind bislang unbekannte Dokumente aufgetaucht, denen zufolge die Deutsche Bank eine Restrukturierung der Kirch-Gruppe intensiv diskutierte. Bereits Ende 2001 begann die Bank demnach durchzuspielen, wie sie auf verschiedene Szenarien am besten reagieren könne. Das geht aus internen Mails hervor, die dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) vorliegen. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern. „Wir kommentieren laufende Verfahren nicht“, sagte ein Sprecher.

Es ging um viel Geld: In einer internen „Deal Info“ (Interne Nummer: D020181) der Bank wird ein Dealvolumen von drei Milliarden Euro genannt. Im Kommentar heißt es: „Wir werden darüber sprechen, Nicht-Kern-Vermögenswerte zu verkaufen und Schulden zu restrukturieren, um Kirch Media zu retten. Derzeit in Vorphase der Bemühung um den Auftrag.“ Angestrebt war demnach eine Rolle als einziger Berater oder als Co-Berater. Im Januar 2002, wenige Tage vor dem Bloomberg-Interview des einstigen Bankchefs Rolf-E. Breuer, nahmen die Planungen konkret Gestalt an.

Per Mail vom 21. Januar schrieb Investmentbanker Stephan Leithner von London ans Büro von Vorstand Joseph Ackermann. Diskutiert würden zwei Optionen: Wenn Kirch die Notwendigkeit einsehe, könne man als Restrukturierungsberater Kirchs fungieren – nach einem Gespräch mit Kanzler Gerhard Schröder und „gegebenenfalls“ auch mit Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Andernfalls „als Berater für die Gegenseite(n) von Kirch“.

Im gleichen Monat erstellte das Medien-Team der Deutschen Bank zudem eine Präsentation mit dem Titel: „German Media“, in der Kirchs Probleme und Auswege exakt analysiert werden. Zahllose Mails belegen derartige Gedankenspiele. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob es tatsächlich bei Gedankenspielen blieb.

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Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Interne Dokumente: Deutsche Bank diskutierte Kirch-Zerschlagung"

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  • Wenn sich die Deutsche Bank gar keine Gedanken um die Kirch-Gruppe gemacht hätte, dann wäre ich von der Deutschen Bank enttäuscht. Immerhin hatte sie einer Tochterfirma viel Geld geliehen, da macht man sich natürlich Gedanken.

  • der entscheidende Satz lautet: "restrukturieren, um Kirch Media zu retten".

    Was ist daran zu kritisieren? Das kann wohl kaum belastend sein!

  • Was ist aus dieser Bank geworden; Vorstand Abs würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüßte was Breuer und Co. aus dieser einst stolzen Bank gemacht haben. Heute gilt die Losung, "Nie einen Fehler zugeben, eher die Unwahrheit sagen", statt dessen klagen bis Ultimo; es bleibt zu hoffen, dass die Richter nun ein Machtwort sprechen

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