Investmentbank auf Talentsuche
Goldman Sachs entdeckt den Menschen im Banker

Weniger stupide Arbeit, mehr Abwechslung und schnellere Beförderung: So will Goldman Sachs junge Leute anlocken und an sich binden. Der Grund: Ein Job bei der US-Investmentbank ist nicht mehr das Maß aller Dinge.

New YorkAls die Investmentbanker noch die Götter der Finanzwelt waren und Goldman Sachs der Olymp, war es selbstverständlich, dass junge, ehrgeizige Absolventen der berühmten Universitäten wie Harvard sich bei dem New Yorker Geldhaus bewarben. Damals mussten sich die Jungbewerber die Frage stellen, wie sie an den Job kommen. Für die Bank existierte dagegen die Frage, wie sie Bank die besten Leute an sich binden konnte, nicht.

Außer hervorragenden Noten und gutem Benehmen mussten die jungen Leute grenzenlose Motivation unter Beweis stellen, und durften dabei auch vor Nachtschichten und regelmäßiger Wochenendarbeit nicht zurückschrecken. Im Zweifel galt es, immer noch eine Excel-Tabelle oder Powerpoint-Präsentation mehr zu produzieren, ob sie nun tatsächlich gebraucht wurde oder nicht.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Goldman hat schon vor einiger Zeit begonnen, sich intensiver um die Junior-Banker zu kümmern und versucht, die Arbeit am Wochenende einzuschränken. Nun geht die weltweit wohl berühmteste Investmentbank mit einem neuen Programm noch einen deutlichen Schritt weiter.

„Wir sehen, dass diese Leute entscheidend für unseren Erfolg sind“, heißt es in einer internen Mitteilung. Ein wichtiges Ziel sei, „die größten Talente langfristig zu behalten“. Die Bank hat zwar nach eigener Aussage immer noch genügend sehr gute Bewerber, aber sie will sich nicht darauf verlassen, dass das so bleibt.

Ein wichtiger Punkt des Programms: Junge Leute sollen nicht mehr mit langweiliger Routinearbeit zugeschüttet werden. Dazu soll der „Work-Flow“ effektiver gestaltet und die technische Unterstützung ausgebaut werden. Hinzu kommt: Nach zwei Jahren sollen die Banker zwölf Monate lang verschiedene Abteilungen durchlaufen, um ihre Kenntnisse und ihr Netzwerk zu erweitern. Bemerkenswert: In deutschen Firmen sind solche „Trainee-Programme“ schon seit Jahrzehnten weit verbreitet. Der dritte Punkt des neuen Programms: Goldman will die jungen Leute schneller befördern und auch entsprechend bezahlen.

Berichte über Selbstmorde einzelner Jung-Banker, bei denen Überarbeitung möglicherweise eine Rolle spielte, haben die gesamte Branche aufgeschreckt. Das Thema „Work-Life-Balance“ kam auch in den USA in Mode und erreichte die Finanzbranche. Erst kürzlich hat JP-Morgan-Chef Jamie Dimon im Interview mit dem „Handelsblatt“ deutlich gemacht, dass auch Banker Menschen sind und sich um ihr Privatleben, ihre Familie und ihre Freunde kümmern müssen. Alles das hat dazu beigetragen, dass die Branche sich mehr um den Nachwuchs kümmert.

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Goldman ist nicht mehr das Maß aller Dinge

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