Iran-Transaktionen
Standard-Chartered-Affäre schlägt politisch Wellen

Die Großbank soll trotz Sanktionen jahrelang Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Der Vorwurf der US-Behörden erregt nun den Ärger britischer Politiker. Sie wittern eine gezielte Kampagne der USA.
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London/New YorkDer drohende Verlust der US-Lizenz für die britische Großbank Standard Chartered schlägt nun auch politische Wellen. Erstmals meldeten sich in Großbritannien Politiker und Investoren zu Wort, die den US-Behörden vorwarfen, den Finanzplatz London beschädigen zu wollen. "Ich denke, das ist eine konzertierte Aktion, die von der US-Regierung angeführt wird", sagte der Labour-Abgeordnete John Mann, der dem Finanzausschuss des Parlaments angehört.

"Washington versucht hier eine Schlacht zu gewinnen, bei der es darum geht, den Handel von London nach New York zu verlegen. Das ist ein politischer Angriff." Den Problemen der britischen Banken werde in den USA mehr Aufmerksamkeit zuteil als denen der amerikanischen Großbanken, kritisierte Mann.

Die New Yorker Finanzaufsicht DFS wirft StanChart vor, fast zehn Jahre lang trotz bestehender Iran-Sanktionen Transaktionen mit dem Land abgewickelt zu haben. Die Rede ist von einem Gesamtvolumen von über 250 Milliarden Dollar. StanChart habe wie eine "Schurken"-Bank agiert und das US-Finanzsystem für Terroristen und Drogenhändler geöffnet. Die Vorwürfe mitsamt kompromittierender E-Mails wurden am Montagabend veröffentlicht - und die Bank nach eigenen Angaben völlig überrumpelt.

StanChart wies die Vorwürfe als überzogen zurück und arbeitet derzeit zusammen mit zwei Kanzleien an ihrer Verteidigungsstrategie. Vorstandschef Peter Sands brach eigens seinen Urlaub ab. Schon am kommenden Mittwoch muss das Institut in einer Anhörung der DFS Rede und Antwort stehen. Auf dem Spiel steht die US-Banklizenz. Ein Verlust wäre ein Desaster, denn damit hätte StanChart keinen direkten Zugang mehr zum wichtigen amerikanischen Finanzmarkt.

Beobachter lässt aufhorchen, dass StanChart bereits die dritte britische Großbank ist, die sich die US-Behörden binnen weniger Monate vorknöpfen. Erst musste Barclays wegen der Verwicklung in Zins-Manipulationen eine Geldstrafe über eine halbe Milliarde Dollar abdrücken. Und dann bekam die Konkurrentin HSBC wegen laxer Geldwäsche-Kontrollen vor allem bei Transaktionen mit Mexiko eine schallende Ohrfeige vom US-Senat. Auch hier droht eine Milliardenstrafe.

Der linke Londoner Oppositionspolitiker Mann gilt nicht unbedingt als Freund der Banken. In der Finanzkrise machte er sich einen Namen, weil er den Geldhäusern öffentlichkeitswirksam Gier und Unmoral vorwarf. Etliche britische Banken sind nur noch am Leben, weil der Steuerzahler mit Milliardenhilfen einsprang. Gerade Mann stellt sich jetzt aber vor die heimischen Banken - und bekommt Unterstützung von Fondsmanagern, deren Häuser zu den größten Anteilseignern von StanChart gehören.

"Sehen wir gerade ein einseitiges Vorgehen der US-Aufseher gegen London? Oh ja!", hieß es bei einem der Top-25-Aktionäre. "Sehen wir eine subtile Art des Protektionismus im Bankensektor? Ja!". Ein anderer Fondsmanager warf die Frage auf, inwiefern der voranschreitende US-Wahlkampf eine Rolle spielt. Die Präsidentenwahl steht im November an.

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  • Sicher müsen diese Vorwürfe lückenlos aufgeklärt werden. Allerdings passen diese Vorgänge doch auch gut ins Gesamtbild, in dem die US-ratingagenturen mit den Staaten und Währungen der Welt zugunstend er Vorstellungen der USA spielen.

  • Sicher muss man die Vorwürfe aufklären, aber neben diesen Schauplätzen scheien auch die US-rating Agenturen die Belanged er USA zu bedienen

  • Anstelle sich zu beschweren, dass man sich auch US Banken ansehen solle, sollte man sich des Vorwurfes stellen und ihn lückenlos widerlegen. Gelingt dies nicht, sollte man den Mund halten.

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