Jahreszahlen
Sparkassen fordern Stütze gegen Minizins

Ihre Kunden leiden unter dem geringen Zinsstand besonders, deshalb wollen die Sparkassen staatliche Anreize für die Kleinanleger. Bei ihrer Bilanzkonferenz zeigten die Institute aber: Noch stimmt ihr Geschäft.
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Frankfurt/ MainDie Minizinsen machen Deutschlands Sparkassen zu schaffen, auch wenn die Lage noch gut aussieht. Nach einem stabilen Jahr stellen sich Deutschlands öffentlich-restliche Finanzinstitute künftig auf schwierige Zeiten ein. „Wenn der Zins praktisch abgeschafft ist, kann das mittelfristig nicht ohne Auswirkungen auf die Zinsüberschüsse der Sparkassen bleiben“, erklärte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, am Donnerstag in Frankfurt. Die Institute müssten sich auf eine Durststrecke ab 2016 einstellen, spürbare Kosteneinsparungen seien in den nächsten Jahren unvermeidlich.

Im vergangenen Jahr steigerten die bundesweit 416 (Vorjahr: 417) Sparkassen den Vorsteuergewinn nach vorläufigen Zahlen auf insgesamt 4,9 (4,6) Milliarden Euro - unter anderem dank historisch niedriger Vorsorge für Problemkredite und Zuwächsen im Wertpapiergeschäft. Unter dem Strich stand wie in den beiden Vorjahren ein Jahresüberschuss von 2,0 Milliarden Euro.

Angesichts der extrem niedrigen Zinsen fordern viele Sparkassenvertreter schon seit einiger Zeit eine staatliche Sparprämie. „Wir müssen darüber nachdenken, die bewährten Instrumente des Vermögensbildungsgesetzes und die Arbeitnehmersparzulage an die neue Situation anzupassen“, sagte Fahrenschon vor der Pressekonferenz der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag).

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen müsse auch das Wertpapiersparen attraktiver gemacht werden. „Und schließlich sollte man sich Gedanken darüber machen, wie wir mehr Menschen in Wohneigentum bringen können - hier liegt Deutschland europaweit auf einem hinteren Platz“, sagte der Präsident Verbandes. Vermögensverlusten durch die niedrigen Zinsen könne man nicht mit noch mehr Konsum begegnen. „Wir brauchen eine gesellschaftliche, eine politische Debatte: Wie können wir den Menschen in diesem Land vermitteln, dass es auch in Zukunft wichtig, richtig und klug ist, vorzusorgen?“

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) wünscht sich Fahrenschon einen Kurswechsel in der Zinspolitik spätestens Anfang 2016. Die europäischen Rahmendaten wiesen in die richtige Richtung, die mittelfristige Inflationserwartung der EZB rutsche auch schon wieder in den vorgesehenen Zielkorridor. „Spätestens Anfang kommenden Jahres brauchen wir ein Signal, dass die EZB wieder langsam in ein normaleres Zinsumfeld steuern will“, sagte der Sparkassenpräsident.

Anfang März forderte auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) schon eine neue staatliche Förderung, wenn Eltern für die Ausbildung von Kindern finanziell vorsorgen. So könnte einerseits der Rückstand Deutschlands bei den Bildungsinvestitionen abgemildert, andererseits auch ein Lastenausgleich für das niedrige Zinsniveau geschaffen werden, sagte Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der größten deutschen Sparkasse, am Donnerstag in Hamburg.

„Wir würden diesen Vorschlag auch bei höheren Zinsen machen, weil Deutschland nicht genug für die Ausbildung der nächsten Generation ausgibt“, sagte Vogelsang. „Der Zeitpunkt ist jetzt günstig, weil der Staat eine Bildungssparprämie aus eingesparten Zinsen finanzieren kann.“ Es gehe nicht darum, die Geschäfte der Sparkassen zu befördern.

Führende Stimmen aus dem Sparkassenlager fordern bereits seit längerem wegen der niedrigen Zinsen einen Lastenausgleich zwischen Staat und Sparern. „Die Sparer werden vom Staat im Stich gelassen“, sagte Vogelsang. Allein der Bund habe in den Jahren von 2008 bis 2013 rund 120 Milliarden Euro durch die niedrigen Zinsen eingespart. Dagegen entgingen den Sparern jährlich rund 60 bis 70 Milliarden Euro an Zinseinnahmen.

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