Jürgen Fitschen
Warum der Deutsche-Bank-Chef ins Kloster geht

„Die Kaffeebauern freuen sich, dass es diese Wetten gibt“: Bei einer Diskussion in einer Düsseldorfer Kirche erklärt Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen den Kulturwandel und verteidigt die Spekulationen mit Nahrungsmitteln.
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DüsseldorfAuch so kann ein Kulturwandel aussehen: Gerade noch hat Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank auf dem Bankentag in Berlin geredet -  nach Joachim Gauck, dem Bundespräsidenten, und vor Jens Weidmann, dem Präsidenten der Bundesbank. Nun sitzt er auf einem Ledersessel in einem Nebenraum der evangelischen Johanneskirche in Düsseldorf, um vor 250 Zuschauern – die meisten davon im Pensionärsalter – zu erklären, warum die Deutsche Bank gar nicht so schlecht ist wie ihr Ruf. Fitschen gibt sich offen und bescheiden, aber er bemüht sich auch, den Eindruck eines Bußgangs zu vermeiden.

Seine Gegner haben ihn schon vor der Tür begrüßt. Vertreter von Occupy Düsseldorf, die hier gegen die Deutsche Bank protestieren. „Verbale Schönfärberei“ werfen sie Fitschen vor und „spekulative Machenschaften am Rande der Legalität“. Er ist auf Einladung der Evangelischen Kirche nach Düsseldorf gekommen, um sich diesen brisanten Fragen zu stellen. „Wirtschaftliches Handeln im Spannungsfeld zwischen Legalität und Legitimität“ lautet das Thema des Abends.

Warum handele die deutsche Bank über ihre Fondstochter DWS weiter mit Nahrungsmittelderivaten, will ein Zuschauer wissen. Fitschen antwortet deutlich: „Niemand sollte leichtfertig sagen: Die Banken sind schuld am Hungertod der Menschen. Das ist grotesk, das ist unverantwortlich, das ist gemein.“ Dann versucht er den Fragesteller doch noch für sich zu gewinnen: Kommenden Mittwoch wolle er sich mit 30 Kritikern treffen und in einem Kloster über dieses Thema diskutieren. „Wenn mir jemand den Nachweis liefert, dass es so ist, wie Sie es in den Raum gestellt haben, dann stellen wir es sofort ein“, verspricht er.

Und dann erklärt er, warum die Deutsche Bank diesen Handel wahrscheinlich doch nicht einstellen wird. Oft werde behauptet, weil über den Indexhandel Geld in den Nahrungsmittelbereich fließe, müssten Menschen hungern. „Ich behaupte: Das ist völlig daneben“, sagt Fitschen und macht eine Kunstpause. Er habe die Reisfelder in Asien besucht, genauso wie die Kaffeeplantagen in Brasilien. In einem Fall gebe es keinen Terminhandel, im anderen Fall gebe es einen. Und in beiden Fällen würden die Preise schwanken. „Da wird gewettet, das ist völlig richtig. Aber die Kaffeebauern in Brasilien freuen sich, dass es diese Wetten gibt“, sagt Fitschen. Applaus im Publikum. Fitschen lehnt sich zurück und lächelt.

Sein Selbstbewusstsein hat der Spitzenbanker auch durch die Krise nicht verloren. Auch auf die Frage der Moderatorin, ob man Geld verdienen und gleichzeitig anständig bleiben kann, reagiert Fitschen kämpferisch. „Umgekehrt wird ein Schuh draus: Auf Dauer kann man kein Geld verdienen, ohne sich so zu verhalten, dass das Verhalten in der Gesellschaft insgesamt akzeptabel ist.“  Das sei im Augenblick das Problem seiner Branche. Das Vertrauen sei aus vielerlei Gründen verloren gegangen. „Das ist keine gesunde Basis, um für uns auf Dauer auch gute Ergebnisse herbeiführen zu können.“

Kommentare zu " Jürgen Fitschen: Warum der Deutsche-Bank-Chef ins Kloster geht"

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  • "Der Unterschied ist, dass Jakob Fugger im 16. Jahrhundert nicht den Hebel in der Hand hatte, mit dem die genannten Institute heute die Volkswirtschaft an den Rand des Desasters geführt haben“
    Nicht den Hebel???
    Der und die Rothschilds haben damals über die Monarchien in Europa entschieden!
    Nicht anders, als Thyssen damals Hitler gepusht hat.

  • Wie kann er und sein Kollege nur von Kulturwandel sprechen und sich 8 Mio Euro Gehalt bezahlen lassen bei 681 Mio Euro Gewinn für die Deutsche Bank.
    Was für eine Scheinheiligkeit.

  • All dieses Gutmenschentum von Fitschen hilft jetzt auch nichts mehr, er soll froh sein, dass er bei einer Verurteilung nicht ins Gefängnis muß.

    Den Absprung hat er sowieso verpaßt, er ist ein Getriebener und eine noch größere Belastung für die Deutsche Bank; erst OHNE ihn kann eine glaubhafte Neuausrichtung der Bank eingeleitet werden.

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