Kapitalaufstockung
Man muss die Banken zu ihrem Glück zwingen

Europas Banken brauchen mehr Kapital. Nur so sind sie in der Lage, den überfälligen Schuldenschnitt der Staaten zu verkraften. Doch die wehren sich. Wenn es mit guten Worten nicht geht, muss man sie zwingen.

Belehrungen aus dem hochverschuldeten Amerika sind in Europa im Moment nicht sonderlich beliebt. Dennoch können sich die Europäer vom großen Bruder zwei Dinge abschauen: Wer das Vertrauen in das Finanzsystem sichern will, muss mit den Banken beginnen.

Und: Man muss die Banken notfalls zu ihrer eigenen Rettung zwingen, sprich: sie zwangsweise mit so viel Kapital ausstatten, dass selbst ein Schuldenschnitt der am stärksten gefährdeten Euro-Länder die Finanzhäuser nicht zusammenbrechen lässt.

Europas Regierungen sollten deshalb die Vertreter der wichtigsten Banken nach Brüssel einladen, in einen Raum sperren und sie per Unterschrift zu einer Rekapitalisierung verdonnern. Genau so hat es der frühere US-Finanzminister Hank Paulson im Oktober 2008 mit den großen Banken der Wall Street gemacht. Das mag wie eine Nötigung erscheinen. Zumal man den Bankern klarmachen müsste, dass sich ihre Position deutlich verschlechtern würde, sollten sie das Angebot jetzt ausschlagen und später doch wieder auf staatliche Hilfe angewiesen sein.

Doch die Zeit ist längst abgelaufen, da man die Banker mit Samthandschuhen anfassen kann, damit sie ihre Häuser in Ordnung bringen. Zumal immer klarer wird, dass der freiwillige Beitrag der Finanzinstitute zur Rettung Griechenlands nicht reichen wird. Statt des versprochenen Nachlasses von 21 Prozent sind längst Schuldenschnitte von 50 Prozent und mehr im Gespräch. Das würde jedoch gefährliche Löcher in die Kapitalpolster vieler europäischer Banken reißen.
Wie groß die Löcher dann sein werden, darüber wird immer noch gestritten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den Kapitalbedarf auf mindestens 200 Milliarden Euro geschätzt und damit zunächst eine Welle der Empörung bei Europas Finanzelite ausgelöst. Inzwischen schätzt selbst die Deutsche Bank die Sicherheitslücke auf bis zu 200 Milliarden Euro, sollten die Banken alle Anleihen aus den verschuldeten Randstaaten zu ihrem Marktpreis bewerten.

Mit privaten Mitteln lässt sich dieser Kapitalbedarf nicht mehr decken. Dazu ist das Vertrauen der Investoren in die Banken durch die Schuldenkrise zu stark beschädigt. Die Folge ist, dass es schon seit Monaten kaum noch größere Anleihenplatzierungen europäischer Finanzhäuser auf den Kapitalmärkten gibt. Von Kapitalerhöhungen ganz zu schweigen.

Und die als Allheilmittel ins Spiel gebrachten Wandelanleihen, kurz Cocos genannt, haben ihre Wirkung am Markt noch nicht entfaltet. Auch Staatsfonds aus Asien sind vorsichtiger geworden und werden nicht wie 2008 wieder in die Bresche springen. Und Warren Buffett steckt sein Geld allenfalls noch in die Bank of America.

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Kein Wunder, dass sich die Banker wehren

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