Keine weitere Staatshilfe
ÖVAG will sich aus eigener Kraft sanieren

Im vergangenen Jahr schrieb die ÖVAG einen Verlust von 100 Millionen Euro. Dennoch will das österreichische Volksbanken-Spitzeninstitut ohne weitere Staatshilfen auskommen – der Finanzbedarf soll anders gedeckt werden.
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WienDas österreichische Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG will seinen Abbau in den kommenden Jahren ohne weitere Staatshilfen vorantreiben. Zwar könne die Bank einen zusätzlichen Kapitalbedarf ab kommendem Jahr nicht ausschließen, sagte ÖVAG-Chef Stephan Koren am Donnerstag. Dieser könne jedoch zwischenzeitlich etwa über nachrangige Anleihen gedeckt werden, die die regionalen Volksbanken begeben. Sie halten mit 51,6 Prozent die Mehrheit an dem teilverstaatlichten Spitzeninstitut. Auch den bevorstehenden Stresstest werde die ÖVAG bestehen, zeigte sich Koren zuversichtlich. Ab 2017 soll die ÖVAG im Verbund mit den Regionalbanken dann so gewinnbringend arbeiten, dass sie auch selbst wieder Geld am Kapitalmarkt einsammeln kann. Das war im vergangenen Jahr nicht der Fall: Der Konzern verbuchte einen Verlust von rund 100 Millionen Euro.

Bislang hat die ÖVAG – inklusive Garantien – 1,35 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Sie musste nach ihrer rasanten Expansion in Osteuropa gleich mehrmals vom Staat aufgefangen werden, der mittlerweile einen Anteil von 43,3 Prozent an der Bank hält. Finanzminister Michael Spindelegger hatte zuletzt gesagt, die Bank könne auf keine weiteren Hilfen mehr zählen. Koren nahm das gelassen. „Sie sehen mich nicht unmittelbar vor einem Nervenzusammenbruch“, sagte er. Bewerkstelligt das Institut seine weitere Sanierung aus eigener Kraft, wäre das eine große Erleichterung für Spindelegger: Er muss ohnedies Milliarden in die kriselnde Ex-BayernLB -Tochter Hypo Alpe Adria pumpen, um sie über Wasser zu halten.

Doch die ÖVAG, an der auch die deutsche DZ Bank mit knapp vier Prozent beteiligt ist, hat noch einen langen Weg vor sich. Zum einen muss die Bank jene Geschäftsteile, die nicht zum Kerngeschäft gehören, möglichst ohne Verluste abstoßen. Das sind unter anderem die Rumänien-Tochter, das Leasinggeschäft sowie ein Immobilienportfolio. „Der Markt entscheidet, wo der Preis liegt. Wir können nicht ausschließen, dass aus diesen Verkäufen substanzielle Belastungen auf das Haus zurückfallen“, sagte Koren.

Zudem machen der Bank die strengeren Kapitalvorschriften zu schaffen: Unter dem neuen Basel III-Regime werden etwa Haftungen der einzelnen Genossenschafter oder ein Teil der in der Krise erhaltenen Hilfen nicht mehr anerkannt. Zudem muss die Bank Staatshilfen zurückzahlen – und damit in den kommenden acht Jahren insgesamt 900 Millionen Euro an Kapital ersetzen.

Darüber hinaus hat die österreichische Finanzmarktaufsicht dem Volksbanken-Verbund eine Eigenmittelquote von 13,6 Prozent vorgeschrieben. Diese erfüllt die Bankengruppe zwar derzeit mit einer Quote von 14,6 Prozent ohne Probleme. Durch die strengeren Basel-III-Regeln werde die Quote jedoch sinken, sagte Koren.

Für den bevorstehenden Stresstest und die vertiefte Bilanzprüfung der EZB sieht der Bankchef das Institut dennoch gut gerüstet. „Ich gehe davon aus, dass wir den Stresstest bestehen werden“, sagte er. Die ÖVAG ist eines von insgesamt sechs österreichischen Instituten, das künftig von der EZB beaufsichtigt wird. Den Stresstest 2011 hatte die Bank nicht bestanden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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