Klage gegen Julius Bär
Deutschland will Honeckers Schatz heben

Das Millionenvermögen der DDR bringt die Schweizer Bank Julius Bär in Bedrängnis. Eine Tochter soll dabei geholfen haben, einen SED-Schatz zu verstecken – und soll dafür nun Schadenersatz zahlen.
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DüsseldorfWährend der eigene Staat langsam aber sicher der Pleite entgegen taumelte, hortete die SED-Führung ein Millionenvermögen im Ausland. Genau dieser verschollene SED-Schatz bringt nun die Schweizer Privatbank Julius Bär in Schwierigkeiten. Die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS) fordert von den Schweizern rund 135 Millionen Euro, berichtet das Schweizer Finanznachrichtenportal finews.ch. Eine gütliche Einigung der Parteien war zuvor gescheitert.

Die komplizierte Jagd auf das versteckte Vermögen der DDR beschäftigt deutsche und Schweizer Gerichte schon seit 20 Jahren. Das Geld stammt von Konten des früheren DDR-Außenhandelsunternehmens Novum. Geführt wurde die halb-kapitalistische Außenvertretung des Arbeiter- und Bauernstaates von der Wiener Geschäftsfrau Rudolfine Steindling, die wegen ihrer Verbindung zur Kommunistischen Partei Österreichs nur „Rote Fini“ genannt wurde.

Wer mit DDR-Unternehmen Geschäfte machen wollte, musste die „Rote Fini“ kontaktieren – und ihr Provisionen zahlen. Als die Mauer fiel, machte sich die Wiener Kommunistin daran, die Novum-Gelder auf Konten in der Schweiz zu transferieren, bevor sie in die Hände des Klassenfeindes fallen würden. Bis heute bleibt ein Großteil des Vermögens verschollen. 

Dabei sollen ihr auch die Schweizer Banken geholfen haben. Denn das Geld auf den Konten ließ sich die „Rote Fini“ in bar auszahlen. 51 dieser Transaktionen sind gerichtlich dokumentiert. Erst wurde es in den Safes der Schweizer Banken deponiert, dann in anonyme Sparbücher und Wertpapierdepots investiert.  Das Geheimnis des verschwundenen Geldes hat Rudolfine Steindling mit ins Grab genommen, 2012 verstarb sie.

Infografik

Größte Vermögensverwalter der Welt

Ende 2013 im Vergleich zu 2012


Seitdem stürzen sich die deutschen Fahnder auf die Schweizer Banken, um die verlorenen Millionen der DDR wiederzufinden. Für die BvS sind die Novum-Gelder Parteivermögen der DDR-Staatspartei SED, worauf heute die ostdeutschen Bundesländer als Rechtsnachfolger Anspruch besäßen.

Im vergangenen Jahr wurde die Bank Austria vom Schweizer Bundesgericht verurteilt, 254 Millionen Euro an Deutschland zurückzuzahlen. Über ihre ehemalige Schweizer Tochter, die AKB Privatbank, hatte sich das Institut an den zweifelhaften Transaktionen der „Roten Fini“ beteiligt.

Julius Bär wehrt sich gegen die Vorwürfe. Tatsächlich ist eine direkte Verbindung der Bank zum Vermögen nicht herzustellen. Die Vorwürfe der BvS richten sich gegen die Bank Cantrade, die Julius Bär im Jahr 2005 von der UBS übernommen hatte. Ein Institut, über das die Mächtigen der DDR auch lukrative Waffendeals abgewickelt haben sollen.

Die Privatbank schiebt die Schuld dafür allerdings dem vorherigen Besitzer, also dem Konkurrenten UBS zu. Für die BvS ist allerdings Julius Bär der legitime Rechtsnachfolger der Cantrade.

Kommentare zu " Klage gegen Julius Bär: Deutschland will Honeckers Schatz heben"

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  • An sich müsste die UBS verklagt werden, denn zur ihr gehörte die Cantrade bis 2005. Möglicherweise hat die Bank Julius Bär beim Kauf der Bank nichts von diesen Konten oder Schließfächern gewusst. Dann kann man ihr auch kein Verschulden anlasten. Interessant wäre die Klageschrift der BvS. Allerdings ist Julius Bär verpflichtet bei der Suche nach dem Geld zu helfen. Ob dazu Schließfächer von Kunden geöffnet werden dürfen müsste rechtlich geklärt werden. Finden dürfte man wohl nichts mehr.

  • Auf jeden Fall muss das Geld, welches illegal über Österreich in die Schweiz verbracht wurde jetzt wieder nach Deutschland rückgeführt werden. Das ist, wie oben schon erwähnt, deutsches Volksvermögen.

    Unverständlich (oder gibt es eine andere Motivation außer Raffgier?) weshalb sich Julius Bär so dagegen stäubt.

    Mit den Mitteln der Justiz werden wir es aber erreichen, dass die deutsche Staatskasse wieder gefüllt wird.

    Anhand dieses Falls sieht man deutlich wie verlumpt und verlottert die DDR-/SED-und Stasi-Bonzen gewesen sind.

    Traurig nur, dass ganze Scharen von diesen Banditen weiterhin unbehelligt in der west- und ostdeutschen öffentlichen Verwaltung tätig sind.

    Ja, Ihr habt richtig gelesen, ich kenne Euch und bin gern bereit Eure Namen der Polizei und der Presse Preis zu geben!

  • Vorsicht Ano Nym

    Aif kritische Berichte wie Ihren steht in der Diktatur USA die Todesstrafe!

    Nein, ganz im Ernst, die Menschen in den USA haben tatsächlich Angst dort ihre Meinung zu sagen. Das sollte uns Europäer ermuntern genau das zu tun. Wir wollen weder Opfer der Mediendiktatur noch sonstiger Unterdrückersysteme zu werden.

    Dazu gehören auf jeden Fall auch TISA und TTIP.

    Das muss auf jeden Fall verhindern werden!

    Also Leute organisiert Euch gegen Bevormundung und für Bürgerrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit und wahre Demokratie!

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