Kliniken verklagen AOK
Knatsch um Qualität in Krankenhäusern

Zwei Kliniken wollen vor Gericht einen Qualitätstest des Krankenkassenverbunds AOK stoppen. Sie finden, dass sie darin zu schlecht abschneiden. Doch das Vorgehen ist unter den Krankenhäusern umstritten.
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DüsseldorfWie gut ist mein Krankenhaus? Um diese Frage dreht sich ein Streit, den zwei Kliniken angestoßen haben - stellvertretend für einen Teil der Krankenhäuser in Deutschland. Er ist wichtig für alle, die das richtige Krankenhaus suchen. Denn es geht dabei um Klinikvergleiche, die mittlerweile im Internet mit wenigen Mausklicken möglich sind.

Stein des Anstoßes ist ein Online-Portal, das die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit Daten füttern. Unterstützt wird diese Initiative von gut 200 vergleichsweise großen Krankenhäusern im Lande. Beide Seiten wollen über Veröffentlichungen im Internet für mehr Qualität in den Kliniken sorgen - vor allem langfristig.

Doch einem anderen Teil der Krankenhäuser geht dies gegen den Strich. Sie sind zwar nicht grundsätzlich gegen mehr Durchblick für Patienten, aber gegen die Veröffentlichung der AOK-Qualitätstests und Vergleiche im Netz. Der Grund: Zweifel an der Methodik. Die Kreiskliniken Gummersbach-Waldbröl und das St. Antonius Hospital aus Eschweiler klagen daher nun in Musterprozessen gegen den AOK-Krankenhausnavigator.

Hintergrund: Seit 2005 verpflichtet ein Gesetz die Kliniken zwar, regelmäßig in einem Qualitätsbericht zu veröffentlichen, wie gut sie ihre Patienten versorgen. Doch Papier ist geduldig, kaum ein Patient liest die dicken Wälzer. Wesentlich einfach sind daher Vergleichsportale im Netz.

Hinzu kommt, dass die Bewertungen, die die AOK ins Internet stellt, über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Denn die Kasse lässt für ihren Vergleich zusätzlich anonymisierte Abrechnungsdaten ihrer Versicherten auswerten. Vor allem gegen die Methoden, die dahinter stecken, sträuben sich die Kliniken vor Gericht.

Das Problem: Die Krankenhäuser stellten in einigen Bereichen des AOK-Navigators widersprüchliche und nicht erklärbare Bewertungen fest. Sie fragen sich, ob bestimmte Bereiche überhaupt für eine öffentliche Qualitätsberichterstattung geeignet sind. Ein Gutachter untermauerte diese Zweifel beispielhaft.

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  • Wenn man die sogenannte Qaulität messen und daraus Rückschlüsse generieren möchte, so soll man ggf. die Vergütungen für die normabweichenden Kliniken anpassen oder denen erhöhten MDK Streß verpassen. Die Patienten zu instrumentalisieren, sie zu verunsichern und ihnen zu suggerieren, die Kliniken, die nicht an den Schandpfahl geknüpft sind, seien besser, ist eine Vergewaltigung dieser und eine Verletzung rechtsstaatlicher Grundsätze. Keine demokratisch legitimierte Institution hat die Willkürparameter festgelegt, gemäß derer eine einzige Krankenkasse sich anmaßt, aus stochastischen Daten Gerüchten zu machen. Wenn auch nur eine Lernschwester in einem betroffenen Krankenhaus keine Anstellung nach ihrer Ausbildung erhält, darf sie sich bei der AOK bedanken - eine juristische Beweiskette wird sie leider nicht aufstellen und eine Entschädigung erhalten können. Mittlerweile sieht die Rechtssprechenug aber so aus, daß zu Recht frustrierte Leute zu Recht (5.1 GG) ihre Individualmeinung, so geschäftsschädigend sie auch sein mag, kundtun dürfen. Ich hoffe nur, daß eine Ersatzkasse, die eine solche Rechtstradition für sich in Anspruch nehmen will, eines auf die Mütze bekommt und für die zu erwartenden und durch nichts zu rechtfertigenden Klinikzusammenbrüche geradestehen wird.
    Ich hoffe, daß irgendwann die einzelnen Kliniken mit den einzelnen Kassen vereinbaren dürfen, zu welchen Hebesätzen auf die DRG sie die Leistungen für deren Versicherte erbringen k ö n n e n. In einer solchen Kalkulation würden dann wohl erhebliche Zuschläge für die AOK resultieren. Es gibt keine störendere Krankenkasse als diese AOK.

  • Norbert, da hast Du Recht! Allerdings ist das ganze Qualitätsgefassel auch in Banken, Versicherungen etc. zu finden. Man wird wirklich nur noch von der Arbeit abgehalten. Dazu kommt das Festanstellungen gestrichen werden, dafür Zeitarbeiter eingestellt die dann immer wieder ausgewechselt werden oder gehen weil man so nicht weiterkommt. Das Wissen geht verloren. Also weg mit Zeitarbeit!!!

  • Die Diskussionen um die Qualitätssicherung in Deutschland zeigen immer nur Eines: In Deutschland zählt der Schutz der Institution Krankenhaus mehr als der Schutz der Patienten.

    Es gibt Qualitätsunterschiede zwischen den Krankenhäusern, die sich bis hin zur Sterblichkeit der Patienten auswirken. Die Patienten haben aber bisher kaum Möglichkeiten, sich darüber zu informieren. Sie werden mit "Qualitätsberichten" überschüttet, die kaum Aussagen zur Qualität enthalten.

    Es wird Zeit, dass sich das ändert. Es bleibt zu wünschen, dass die Richter in diesem Verfahren den Patientenschutz im Auge behalten und nicht fälschlich die Institution Krankenhaus vor dem Qualitätswettbewerb "schützen".

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