Kommentar
Außer Rand und Bank

Ausreden sind bei der UBS angesichts des Händler-Skandals fehl am Platz: Das Institut ist von Seriosität weit entfernt. Die Banker haben jedes Maß verloren.
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Natürlich lässt sich jetzt, da die UBS ihren Händlerskandal hat, lamentieren: Die Schweizer Großbank steckt sowieso in der Klemme. Wie bei anderen Großbanken weltweit auch läuft ihr Investment-Banking nicht wie gedacht. Mitarbeiter müssen gehen.

Dazu: Die Bank hat das Schweizer Bankgeheimnis durchlöchert, als sie sich gezwungen sah, Kundendaten an US-Behörden weiterzugeben. Und außerdem: Sie ist immer noch viel zu groß, um im Notfall beispielsweise von der Gesamtheit der Schweizer Steuerzahler aufgefangen werden zu können - und so weiter und so weiter.

Doch wie immer beim Lamentieren geht das am Kern vorbei. Nicht die anspruchsvolle wirtschaftliche Situation ist das Thema, das diese Bank bewältigen muss. Es ist vielmehr das Fehlen jeglichen Maßhaltens, das Mitarbeiter dieser Bank immer wieder an den Tag legen. Das gilt in allen Bereichen: Bei den Boni, von denen die Branche weiß, dass sie bei den Schweizern reichlich fließen. Damit trägt die Bank dazu bei, dass aus einer Anerkennung für eine besonders gute Leistung, was Bonus ja einst bedeutete, der Verrat am Prinzip der gerechten Bezahlung geworden ist.

Das gilt für die Vermögensverwaltung, wo sich diese Bank jahrzehntelang darauf spezialisiert hatte, ihre Kunden dabei zu beraten, wie sie dem Staat zustehende Steuern vorenthalten können. Das gilt für die Aufsichtsgremien der UBS, in denen viel zu lange nicht Damen und Herren vom Fach, sondern solche mit einem möglichst großen Vermögen Platz genommen hatten. Und das gilt auch für das Investment-Banking, wo jetzt klar geworden ist, dass alle Sicherungsleinen nichts genützt haben und ein 31-Jähriger Milliarden verzocken kann.

Es sind diese Mitarbeiter, die das Bild eine Branche prägen, der wir längst das Vertrauen entzogen haben. Eine Branche, die einmal dazu da gewesen ist, der Wirtschaft zu dienen, und die dann dazu übergingen, jeden Menschen in dieser Wirtschaft als ihren Diener zu betrachten. Doch diese Diener sind längst außer Rand und Band. Einer Welt des Investment-Bankings, in der keine Aktien mehr gehandelt, sondern nur noch hergeleitete Derivate auf echte Werte verschoben werden.

Mit dem Ergebnis, das am Ende allzu oft echte Werte verschwinden - wie in diesem Fall zwei Milliarden Dollar. Unser Vertrauen ist erschüttert. Weil Geld nur fließt, wo Vertrauen herrscht, wird diese Branche ohne unser Vertrauen zusammenbrechen. Oder sie wird schrumpfen und Maß halten lernen. Und das wäre ja immerhin nicht das schlechteste.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Außer Rand und Bank"

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  • Was soll es? Frau Merkel hat den Scheck schon an UBS, ihre Freunde, die Banker, versandt! Der deutsche Steuerzahler, hat alle Bankschulden zu tilgen, so Ihr Credo!

  • die politik lässt sich leider weiterhin von den banken an der nase herumführen, da die politiker die produkte der banken nicht verstehen. dies betrifft auch die politiker die in den aufsichtsräten der banken sitzen. statt auf die "empfehlungen" der bankenlobbyisten zu hören, sollten die politiker ihren sachverstand schärfen und den banken die rote karte zeigen.
    es ist erforderlich das gesamte bankensystem grundlegend neu zu gestalten, zurück zum eigentlichen auftrag, der da heißt: dienstleistung.
    die auswüchse der letzten ca. 20 jahre müssen zurückgedreht werden, d. h. weitgehendes verbot von derivaten. zurück zum derivatenangebote der 80er. plain-vanilla, einfache swaps, optionen und futures. alles andere gehört in den mülleimer der geschichte.
    also weg mit den strukturierten produkten und den massenvernichtungswaffen, den kreditderivaten. solange diese produkte erlaubt sind, wird sich nichts ändern. die krisen werden sich häufen und in immer kürzeren abständen auftreten. es sollte ein harter schnitt erfolgen, mit einer abrechnung aller umlaufenden zu verbietenden derivate. die banken, die dies nicht überleben werden und dies werden wohl weit über 50% sein, sind zu verstaatlichen oder abzuwickeln. die gewinne und verluste aus den abrechnungen der derivate sollten über den iwf gesammelt und mit den betroffenen rettungsfonds der länder verrechnet werden. klingt grausig, ist es auch. aber ohne einen derartigen harten schnitt wird das system irgendwann unkontrolliert implodieren.
    ein neustart des weltweiten banksystems muss her.

  • Investmentbanker, Angestellte und Manager sind relativ unkritisch über Jahrzehte durch das System in die Richtung "das meiste rausholen" für sich und das System erzogen worden. Die Moral unser Gesellschaft ist im Keller und die der Banker als auch des unlauteren Anteils der Harz4 Empfänger eben nicht anders.

    Das Finanzprodukte Gewinne von 10% bis 30% bei riesigen Hebeln (Fast kostenloses Geld durch die EZB und andere Zentralbanken) und die Realwirtschaft zu minimalmargen anbieten muss ist der Fehler im System.

    Beides könnte nur durch die Politik geändert werden. Und damit sind wir wieder bei der Moral unserer Gesllschaft. Ein Rössler wird jetzt die Stimmen unseres so schlauen Volkes (5% Dumme reichen ja zum überleben)bekommen weil er die Griechen rauswerfen möchte.

    Der Dumme bleibt leider oftmals der redliche der nicht über Erbe oder ein gutes Elternhaus verfügt. Solange die Wähler das nicht erkennen wird sich nichts ändern und das kann durch die Globalisierung noch Jahrzehnte dauern. Es muß sich nämlich global ändern.

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