Kommentar
Das Schuldendrama der Commerzbank 

Die Politiker haben Martin Blessing vorgeführt. Erst überredeten sie ihn, griechische Anleihen zu halten - dann beschlossen sie den Schuldenschnitt. Die dramatischen Folgen zeigen sich jetzt im Quartalsergebnis.
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Commerzbank-Chef Martin Blessing ist derzeit nicht zu beneiden. Das zeigt der überraschend hohe Verlust bei den heutigen Zahlen für das dritte Quartal. Irgendwie muss er sich von der Politik vorgeführt fühlen. Im Frühjahr noch flüsterten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Leute ein, alles sei gut. Er solle doch bitte an seinen vielen griechischen Staatsanleihen festhalten und sie nicht verkaufen. Nur so könne Griechenland gerettet werden. Da kann nichts passieren. Griechische Festverzinsliche seien werthaltig.

Doch das war gestern. Inzwischen steht zumindest ein Schuldenschnitt von 50 Prozent auf griechische Bonds fest. Und an ihre Worte können sich Schäuble & Co schon lange nicht mehr erinnern. Im Gegenteil: Den Banken wird die Schuld an der Griechenlandkrise in die Schuhe geschoben. Die Auswirkungen sind in der Bilanz der Commerzbank im dritten Quartal zu besichtigen: Ein operativer Verlust von 855 Millionen Euro.

In der Commerzbank selbst hat das griechische Schuldendrama einen Namen: Eurohypo. In der Konzernsparte Asset Based Finance liegen vor allem Anleihen des ehemaligen Immobilienfinanzierers Eurohypo bzw. vor allem die Altlasten der Staatsfinanzierers Essener Hypothekenbank, einer ehemaligen Tochter, die zwangsweise mit der Eurohypo verschmolzen wurde.

Zwar hat die Eurohypo in der Zwischenzeit ihr Geschäft drastisch zurückgefahren und der neue Chef Thomas Köntgen erzielt Schritt für Schritt weitere Erfolge. Doch das braucht Zeit, die man eigentlich nicht hat. Die Belastungen aus der Immobilientochter werden die Commerzbank noch Jahre belasten, auch wenn die Staatsfinanzierung auslaufen soll und in der gewerblichen Finanzierung nur noch ausgewählte Kernmärkte bedient werden.

Deshalb sind die neuesten Pläne nur konsequent, die jetzt in die Öffentlichkeit gedrungen sind. Alle Geschäfte, die nichts mit dem Kernbereich der Eurohypo zu tun haben, müssen abgewickelt werden. Ohne wenn und aber. Am besten in einer konzerninternen Abbaubank. Dann bleibt wirklich nur das überlebensfähige Geschäft und eine überlebensfähige Immobilienbank übrig.

Gleichzeitig kommt die Commerbank damit der Europäischen Wettbewerbskommission entgegen, die in ihrem Beihilfeverfahren wegen der Rettung der Commerzbank durch den Staat klare Auflagen gemacht hat. Dazu gehört der Verkauf der Eurohypo. Doch daran ist in den nächsten Jahren nicht zu denken. Wer will schon eine Immobilienbank kaufen? Keiner. Eine kleinere Eurohypo wäre ein Angebot an die Kommission, dies als einen Kompromiss anzusehen, der trag- und realisierbar ist und ihm zuzustimmen. Auch wenn die Suche nach einem Käufer weitergeht. Sind die Altlasten durch die Eurohypo endlich abgebaut, dann kommen auch wieder bessere Tage für Martin Blessing. Es ist ihm zu wünschen.

 

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Kommentar: Das Schuldendrama der Commerzbank "

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  • Erstaunlich, dass er nicht zu beneiden ist..... Ist es doch das Resultat seiner eigenen Arbeit. Schließlich strebt Herr Blessing seit seinem Amtsantritt danach, die Deutsche Bank zu überholen. Dafür musste natürlich mehr Rendite her, was nur durch noch höheres Risiko geht.
    Eigentlich ist er zu beneiden. Jahrelang Mißwirtschaft betreiben, sich vom Staat retten lassen und immer noch gut verdienen und fest im Sattel sitzen.
    Nicht, dass ich Herrn Ackermann leiden kann, aber er hätte sich das wohl nicht leisten können!

  • Das ist so. Wenn es eng wird, dann sind die Politiker weg und man ist der Doofe.

    Dessen ungeachtet darf der Aktionär vom Vorstand erwarten, dass er das Unternehmen nach dessen Wissen und Gewissen führt. Eine Einflussnahme seitens der Politiker sieht das Aktienrecht nicht vor.

  • "Commerzbank-Chef Martin Blessing ist derzeit nicht zu beneiden. Das zeigt der überraschend hohe Verlust bei den heutigen Zahlen für das dritte Quartal. Irgendwie muss er sich von der Politik vorgeführt fühlen. Im Frühjahr noch flüsterten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Leute ein, alles sei gut. Er solle doch bitte an seinen vielen griechischen Staatsanleihen festhalten und sie nicht verkaufen."

    Ach ja, der Ärmste, jetzt fühlt ein Manager mal das was den Wählern laufend offeriert wird. Ja, wir werden von der (DEP) Deutschen Einheitspartei (CDU/CSU,SPD,Grüne,FDP) vorgeführt, - alle ! Das Wort Vertrauen habe ich schon lange im "Fremdwörterbuch" abgelegt.

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