Kommentar WestLB
Riskantes Spiel auf Zeit

„Es kreißen die Berge, zur Welt kommt nur ein lächerliches Mäuschen” Die Worte des römischen Dichters Horaz beschreiben den Ausgang des WestLB-Pokers in der vergangenen Nacht recht trefflich. Ein Kommentar von Peter Köhler.
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„Es kreißen die Berge, zur Welt kommt nur ein lächerliches Mäuschen” Die Worte des römischen Dichters Horaz beschreiben den Ausgang des WestLB-Pokers in der vergangenen Nacht recht trefflich. Buchstäblich auf den letzten Drücker haben sich die Eigentümer der WestLB auf etwas verständigt, dass so eigentlich keiner haben will.

Statt einer klaren, überzeugenden Lösung haben sich die Verhandlungsführer am Dienstag kurz vor Ablauf der Frist auf drei „Container“ verständigt, die fast alle Fragen offen lassen. Der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die beiden Sparkassenverbände haben sich Zeit gekauft, mehr nicht. Die Aufteilung des Instituts in eine Verbundbank für die Sparkassen birgt neue Milliardenrisiken, denn keiner weiß heute, was mit den übrigen Bereichen des Instituts passieren wird.

Noch einmal müssen beispielsweise wenig lukrative Konzernteile in eine Bad Bank verschoben werden, die Rede ist von einer dreistelligen Milliardenhöhe. Dabei ticken schon die bereits eingelagerten Papiere über 77 Milliarden Euro als Zeitbomben für den Haushalt in NRW. Wer übernimmt hier die Ausfallrisiken? Das Land alleine, der Bund?

Die Politik wird das Paket als Durchbruch feiern, die EU-Kommission wohl eher nicht. Wettbewerbskommissar Almunia hat mehrfach angemahnt, dass er ein überzeugendes Geschäftsmodell für die Bank sehen will und dass ihm langsam der Geduldsfaden reißt.

Über den Papierberg auf seinem Schreibtisch wird deshalb kaum Freude aufkommen. Und auch die Mitarbeiter hätten sich gewünscht, dass sie endlich Klarheit bekommen über die Zukunft ihrer Jobs. Die Eigentümer haben keinen großen Wurf landen können und laden die Entscheidung in Brüssel ab. Man spielt wieder auf Zeit. Ein riskantes Spiel. 

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