Konsolidierungsdruck
Griechische Banken vor Fusion zum neuen Branchenprimus

Unter dem Eindruck der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise wollen die beiden größten griechischen Banken fusionieren. Die National Bank hat bekannt gegeben, dass sie der Eurobank ein Angebot unterbreitet hat.
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AthenDie National Bank (NBG) teilte am Freitagabend mit, 100 Prozent der Eurobank per Aktientausch übernehmen zu wollen. Entstehen soll so das größte Geldhaus des schwer unter der europäischen Schuldenkrise leidenden Landes. Mit Büchern voll fauler Kredite sowie hohen Verlusten infolge des griechischen Staatsschuldenschnitts stehen die Institute unter Konsolidierungsdruck. Den Banken macht zudem zu schaffen, dass verunsicherte Kunden verstärkt ihre Einlagen abziehen.

Die National Bank bot 58 neue Aktien für je 100 Eurobank-Papiere. Nach Abschluss des Geschäfts sollen die derzeitigen NBG-Aktionäre 75 Prozent an dem neuen Institut halten, der Rest würde den Eurobank-Anteilseignern gehören.

Eurobank-Chef Nikolaos Nanopoulos kündigte, den Vorschlag in "konstruktivem Geiste" prüfen zu wollen. NBG-Chef George Zannias erklärte, Ziel sei es, eine Bankengruppe in Griechenland zu schaffen, die das Bankensystem des Landes stabilisieren und die notwendige Unterstützung für die wirtschaftliche Erholung bieten könne. Zusammen kommen beide Institute auf Einlagen von 87,9 Milliarden Euro und Kredite von 109,7 Milliarden Euro. Sie haben ein Netzwerk von 925 Zweigstellen.

Die National Bank hat bereits zwei Mal vergeblich versucht, sich die rivalisierende Alpha Bank einzuverleiben. Diese schlüpfte schließlich selbst in die Käuferrolle und übernahm die angeschlagene Griechenland-Tochter der französischen Bank Credit Agricole. Um diese Emporiki-Bank hatten sich wiederum auch NBG und Eurobank bemüht.

Erste Fusionsgerüchte hatten am Freitag dazu geführt, dass die Kurse der NBG und der Eurobank an der Börse um 4,5 Prozent beziehungsweise 5,5 Prozent stiegen. Die Börsenaufsicht setzte die Aktien deshalb vom Handel aus. Bankaktien stiegen an diesem Tag um rund zehn Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Warum läßt es die Politik zu, daß die Banken immer
    größer werden, obwohl genau darin ein Grund für die
    jetzige Finanzmisere liegt ? Die Grichen treiben hier
    offenbar den Teufel mit dem Belzebub aus. Scheinbar
    sind doch noch genug Reserven da, die den Banken als
    Futter dienen und willig angeboten werden

  • Noch schnell die größten Banken fusionieren, damit sie "Systemrelevanz" für sich beanspruchen können, wenn die Hütte brennt. Und dann wird hoffentlich wieder das Ausland zahlen. Diese Gauner...

  • Und in Deutschland diskutieren wir Bankenregulierung. Das ist der Treppenwitz der Finanzgeschichte. Diese Fusionen sind so als ob zwei Krebskranke ihre Pillen mixen und hoffen dadurch gesund zu werden.

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