Kursverfall
AIG-Verkauf wird für die USA zum Desaster

Die geplante Platzierung von Anteilen des Versicherungsgiganten AIG droht für die US-Regierung zu einem Debakel zu werden. Spekulanten treiben den Aktienkurs des staatlichen Konzerns nach unten.
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New YorkDie US-Regierung will offenbar 15 Prozent seiner Anteile am noch weitgehend verstaatlichten Versicherer AIG verkaufen. Der Verkauf könne noch im Mai erfolgen, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Anfang des Jahres hatte das US-Finanzministerium noch gehofft, rund 20 Milliarden Dollar an der Rettung des Konzerns verdienen zu können; nun droht das Ganze zu einem Verlustgeschäft zu werden.

In diesem Monat sollen die AIG-Anteile platziert werden, doch der Kurs des Versicherers rutscht massiv ab. Ein Grund dafür sind die Verluste des Konzerns durch das Erdbeben in Japan. Aber auch die Aktivitäten von Spekulanten machen der US-Regierung einen Strich durch die Rechnung: Sie versuchen, den Kurs der wenigen noch an der Börse gehandelten Papiere zu drücken, um die Regierung zu einem niedrigen Verkaufspreis zu zwingen.

Seit dem Winter ist der Kurs um 43 Prozent auf 29,28 Dollar gefallen. Unterhalb von 28,70 Dollar macht Washington Analystenberechnungen zufolge keinen Gewinn mehr. „Es wird damit gerechnet, dass die Regierung einen Abschlag zum Börsenkurs bieten muss“, sagte Paul Newsome, Analyst bei Sandler O’Neill, in einem Interview. Dies führe zu einem Teufelskreis. „Ganz gleich, wie hoch der Kurs steht – die Leute glauben, dass der Kurs weiter fällt, weil sie mit einem Platzierungsabschlag rechnen. Und dann fällt er auch weiter.“

AIG gilt als einer der Auslöser der jüngsten Finanzkrise. Der ehemals größte Versicherer der Welt hatte sich 2008 derart mit Kreditderivaten verspekuliert, dass er mit 130 Milliarden Dollar von der US-Regierung aufgefangen werden musste. Durch den Verkauf von Tochterfirmen sammelte AIG Kapital an, um die Hilfen zurückzuzahlen. Gleichzeitig zog das operative Geschäft dank der Konjunkturerholung in den USA an, so dass der Aktienkurs zwischenzeitlich auf über 51 Dollar stieg.

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