Libor-Skandal
Der Tag der Milliardenstrafen für Banken

Bis zu zehn Banken sollen über Jahre hinweg Zinssätze wie Libor oder Euribor manipuliert haben. Am Mittwoch sollen sie die Quittung bekommen: Die EU-Kommission will offenbar Rekord-Geldbußen verhängen.
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BrüsselIm Zusammenhang mit der Manipulation von Referenzzinssätzen will die Europäische Union einem Insider zufolge gegen die Deutsche Bank und weitere Institute eine Rekordstrafe verhängen. Bei dem größten deutschen Geldinstitut gehe es um den Euribor, den Libor und den japanischen Tibor, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Demnach sollen neben der Deutschen Bank auch Geldhäuser wie Barclays, die Royal Bank of Scotland, Citigroup und JPMorgan Chase Geldbußen zahlen. Insgesamt seien wohl mehr als 1,5 Milliarden Euro fällig.

Die Schweizer UBS werde nicht bestraft, weil sie die Kartellwächter auf Manipulationen beim Yen-Zinssatz aufmerksam gemacht habe. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia werde die Strafen voraussichtlich am Mittwochvormittag (11.30 Uhr) bekanntgeben, sagte ein zweiter Insider. Die Deutsche Bank lehnte am Dienstagabend eine Stellungnahme ab.

Händlern der Geldhäuser wird vorgeworfen, die Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Referenzsätze wie Libor und Euribor werden täglich ermittelt und sind die Grundlage für Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Sie beruhen auf Angaben der Banken über ihre Refinanzierungskosten. Das System soll nach dem Willen vieler Aufseher wegen der Manipulationen geändert werden.

Einer Euribor-Einigung sollen sich Informationen mehrerer Medien zufolge die Banken JP Morgan, HSBC und Credit Agricole entzogen haben. In diesen Fällen scheinen weitere juristische Verfahren wahrscheinlich.

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Nicht der einzige Rechtsstreit für die Deutsche Bank

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  • Ich möchte diese Diskussion mal in folgende Richtung lenken: Warum werden diese Betrügereien eigentlich betrieben? Was (nicht wer) steckt dahinter? Läuft nicht etwas grundsätzliches falsch? Strafen, und seien sie noch so hoch, werden an dieser Entwicklung nichts ändern. Der Ansatz zur Lösung dieses "Problems" ist weit fundamentaler. Keine derzeitige Regierung oder Kommission ist auch nur ansatzweise in der Lage diese Situation zu ändern. Hier muss mehr passieren.

  • Wie lange müssen wir noch warten bis Deutschbank- oder Goldmann-Sachs-Bankster nicht mehr als Berater der Kanzlerin auftreten?

    Wie lange müssen wir noch warten bis sie ihre Geburtstage im Knast
    und nicht auf Steuerzahlerkosten im Kanzleramt feiern?

    Wie lange will man noch zusehen bei Betrügereien um Libor, Euribor, Tibor, Gold, Devisen,
    Umweltzertifikatebetrug, Steuerhinterziehung, Bilanzmanipulation, Waffenhandel, Geldwäsche, Landgrabbing?

    Wie lange noch können wir uns solch kriminelle Geschäftspartner an den Schalthebeln der Macht leisten bis zum völligen Zusammenbruch noch leisten?

    Wie lange wollen wir zusehen daß Spieler mit einem Hebel größer als 1:50 russisch Roulette spielen und dabei den Revolver an unsere Schläfen halten um mit Eigenkapitalrenditen von 25% zu "erwirtschaften"?

    Wie lange müssen ehrliche Menschen die für ihre Rente vorsorgen wollen
    noch zusehen wie ruchlose kriminelle Banker ihnen ihre Ersparnisse verspielen?

    Wie lange noch?

  • Sei haben ja völlig recht, aber die Millionen Menschen die in Armut, Elend und Leid gestürzt wurden, haben den Kurs der Politiker durch ihre Wahl bestätigt. Vielleicht ist demonstrieren auch nicht mehr zeitgemäß. Demonstrationen haben eh die Bankster nie interessiert. Wichtig ist doch, wie die Wahlbeteiligung zur Europawahl wird und wie das Ergebnis aussehen wird.

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