Lloyds
Bankhaus schreibt rote Zahlen

Schadensersatzzahlungen drücken die britische Bank Lloyds im ersten Halbjahr in die roten Zahlen. Die Verluste waren aber bereits von Experten antizipiert worden.
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LondonKosten für die Falschberatung von Kunden und eine gestiegene Vorsorge für faule Kredite im Schuldenstaat Irland haben die teilverstaatlichte britische Großbank Lloyds tief in die roten Zahlen gedrückt. In den ersten sechs Monaten wies das Institut am Donnerstag in London unter dem Strich einen Verlust von 2,3 Milliarden Pfund aus, vor einem Jahr hatte es noch knapp 600 Millionen Pfund verdient. Damit verfehlte Lloyds die Erwartungen von Analysten. Die Aktie setzte nach einem kurzen Plus zum Handelsauftakt ihre Talfahrt der vergangenen Tage fort und verlor am Vormittag mehr als sieben Prozent.

Lloyds legte 3,2 Milliarden Pfund beiseite, um Schadensersatzforderungen von Kunden zahlen zu können, die bei Kreditausfallversicherungen falsch beraten wurden. Mit den sogenannten Payment Protection Insurances (PPI) sollten sich Kreditnehmer für den Fall absichern, dass sie bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit ihre Hypotheken und Kreditkartenrechnungen nicht mehr bezahlen könnten. Verbraucherschützer warfen den Banken vor, sie hätten den Kunden die Policen aufgedrängt. Im April hatten die Banken einen entsprechenden Prozess verloren. Nun kommen praktisch auf alle Großbanken hohe Entschädigungszahlungen zu. Der Aktienkurs von Lloyds hat seitdem fast 40 Prozent verloren.

In der ersten Jahreshälfte erhöhte die Bank den Anteil der von ihr als faul eingestuften Kredite in Irland auf fast zwei Drittel. Dafür bildete sie Rückstellungen von fast 1,8 Milliarden Pfund. Als Gründe für die wachsende Skepsis führte die Bank die weiter sinkenden Immobilienpreise auf der Insel an. Weitere Belastungen hält die Bank für nicht unwahrscheinlich. Insgesamt konnte der größte britische Hypothekengeber seine Risikovorsorge um 17 Prozent auf 5,4 Milliarden Pfund senken.

Der seit dem Frühjahr amtierende Vorstandschef Antonio Horta-Osorio verordnete dem Konzern bereits im Juni einen harten Sparkurs. Es sollen 15.000 der 104.000 Stellen weltweit gestrichen werden. Ziel ist es, die Kostenbasis um 1,5 Milliarden Pfund bis 2014 zu senken. Lloyds will dabei seine Auslandspräsenz auf weniger als 15 Länder mehr als halbieren. Angesichts sinkender Gewinne und härterer Regeln haben zahlreiche Banken einen Sparkurs eingeschlagen.

Die britische Großbank HSBC will etwa bis 2013 rund 30.000 Arbeitsplätze streichen. Auch die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse sowie die US-Investmentbank Goldman Sachs haben einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Bei der Deutschen Bank ist davon hingegen keine Rede.

Unter Horta-Osorios glücklosem Vorgänger Eric Daniels war die Lloyds durch die Immobilien- und Finanzkrise und die von der Regierung forcierte Übernahme des Konkurrenten HBOS 2008 ins Straucheln geraten. Durch Abschreibungen auf faule Kredite häuften sich Verluste in Milliardenhöhe an. Schließlich musste die Bank vom britischen Staat mit Milliardenhilfen gerettet werden, der seitdem 41 Prozent den Anteile hält. 2010 verdiente Lloyds zumindest vor Steuern aber wieder Geld.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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