Mehr Einlagen
Volksbanken florieren wieder

Mehr Einlagen, mehr Kredite – das Geschäft der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland legt wieder zu. Doch eine Gefahr bleibt: Durch die Niedrigzinsen könnten die Institute Marktanteile verlieren.
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Frankfurt/MainDeutschlands Volks- und Raiffeisenbanken scheinen die Krise überwunden zu haben. Im vergangenen Jahr legten die Einlagen deutlich zu, auch die Kreditvergabe wurde gesteigert. Dies sei ein Beleg für die Attraktivität des Genossenschaftsmodells, sagte der Präsident des Genossenschaftsverbandes, Michael Bockelmann. Die Kundeneinlagen der 299 (Vorjahr: 304) Institute erhöhten sich binnen Jahresfrist um gut 4,7 Milliarden Euro auf 143,4 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen legte um fast 4,9 Milliarden Euro auf rund 114,1 Milliarden Euro zu. Das Verbandsgebiet umfasst alle Bundesländer außer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Durch die gegenseitige Haftung sind Genossenschaftsbanken nach Ansicht der Bankenaufsicht offenbar auch krisensicherer. Zuletzt hatte sich auch die Bafin dafür stark gemacht, den Genossenschaftsbanken Ausnahmen bei der Umsetzung der neuen Eigenkapitalregeln nach Basel-III einzuräumen. Beteiligungen an anderen Spitzeninstituten wie der DZ oder WGZ Bank sollen demnach nicht vom das haftenden Eigenkapital abgezogen werden. Eigentlich wären Banken nach den neuen Regeln dazu verpflichtet, Beteiligungen an anderen Instituten vom Eigenkapital abzuziehen.

Für die Volks- und Raiffeisenbanken ist die kapitalschonende Regelung auch deshalb wichtig, weil sie im Frühjahr aller Voraussicht nach Geld für die Kapitalerhöhung ihres Spitzeninstituts DZ Bank in die Hand nehmen müssen. Der Schritt, bei dem die DZ Bank rund 1,5 Milliarden Euro zur Stärkung ihrer Sicherheitspolster einsammeln will, dürfte einigen Instituten nun leichter fallen. 

Ein Risiko aber bleibt: Die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank könnte zur Gefahr für die Zinsüberschüsse der regionalen Institute werden. In einer Studie warnt Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte, Chef der Beratungsfirma 4P Consulting, davor, dass die Regionalbanken durch die niedrigen Zinsen Marktanteile verlieren könnten – bei bestehenden hohen Kosten. Für seine Studie hatte er 300 Institute geprüft, darunter allerdings auch 135 Sparkassen. 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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