Modell für die Zukunft?
Hedgefonds greifen sich britische Co-op Bank

Die britische Genossenschaftsgruppe Co-op Bank fällt mehrheitlich in die Hände von Hedgefonds. Rettung vom Markt und nicht vom Staat – eine Lösung, die sich europäische Politiker für die Zukunft wünschen.
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LondonDie angeschlagene britische Co-operative Bank (Co-op) fällt in die Hände von Hedgefonds. Der Genossenschaftsgruppe Co-operative Group muss sich künftig mit 30 Prozent der Anteile an dem Institut mit 4,7 Millionen Kunden begnügen, die Mehrheit gehört künftig einer Gruppe von Fonds um Aurelius Capital und Silver Point Capital, die sich in die Anleihen der Bank billig eingekauft hatten. Sie tauschen die Schuldpapiere nun in neue Anleihen sowie in Aktien, die künftig an der Londoner Börse gehandelt werden sollen. Der Chef der Co-op Group, Euan Sutherland, sagte, es gebe eine Grundsatzeinigung, mit der die Bank gerettet werden könne.

Die Bank hatte seit dem Frühjahr versucht, ein Finanzloch von 1,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 1,8 Milliarden Euro) zu schließen, nachdem sie sich mit Krediten für Gewerbeimmobilien in der Finanzkrise verhoben hatte. Ein Sanierungsvorschlag des Eigentümers fiel aber durch, mit dem die Co-op Group noch die Mehrheit hätte behalten können. Letztlich setzten sich die rebellischen Anleihegläubiger durch, die im September einen Alternativ-Plan vorgelegt hatten. Die Co-op Group betreibt auch Supermärkte, Apotheken und Bestattungsunternehmen, kämpft aber selbst mit sinkenden Gewinnen.

Die Co-op Bank ist die erste Bank, die nach einem Modell gerettet wird, das europäischen Politikern künftig für alle Sanierungsfälle in der Branche vorschwebt: Zunächst sollen die Anleihegläubiger und Sparer in die Bresche springen, bevor der Staat zur Kasse gebeten wird. „Das ist die erste Bank, die ohne Geld von den Steuerzahlern als eigenständiges Institut überlebt“, sagte Sutherland. Damit vollzog er eine Kehrtwende. Noch vor kurzem hatte der Chef der Genossenschaftsgruppe gesagt, die einzige Alternative zu seinem Rettungsplan wäre eine Abwicklung der Bank.

Unter den Kunden der Co-op Bank regt sich jedoch Unmut über die neuen Herren. „Wir wollen von der Co-op Bank weg. Kennt jemand eine andere ethische Bank?“, erklärte etwa ein Kunde auf Twitter. Ein anderer schlug eine Unterschriftenliste vor: „Lassen wir die Hedgefonds wissen, dass alle Unterzeichner zu anderen Banken gehen werden, wenn sie die Kontrolle übernehmen.“

International bekannt geworden war die Co-op Bank mit dem Plan, 630 Lloyds-Filialen zu übernehmen, die die vom Staat gerettete Privatbank loswerden musste. Doch im April machte die Co-op Bank einen überraschenden Rückzieher, der Spekulationen über die finanzielle Lage des Instituts auslöste. Im vergangenen Jahr hat es 674 Millionen Pfund Verlust geschrieben, den größten Teil davon wegen fauler Kredite.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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