Nach Geldwäsche-Skandal
Deutsche Bank zieht sich aus Russland zurück

John Cryan lässt seinen Worten nun Taten folgen: Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank dünnt das Geschäft aus – und zwar in Russland. Die Bank war dort wegen einer Geldwäsche-Affäre in die Schlagzeilen geraten.

FrankfurtDie Deutsche Bank zieht sich aus dem Investmentbanking in Russland zurück. Damit sollten Komplexität, Kosten, Risiken und Kapitalaufwand reduziert werden, teilte die Bank am Freitag in Frankfurt mit. Die Kunden würden statt aus Moskau künftig aus internationalen Finanzzentren wie Frankfurt und London betreut. Die Schließung soll bis Ende des Jahres vollzogen werden. Damit fallen rund 200 der 1300 Stellen in Russland weg, wie ein Insider sagte.

Reuters hatte von den Plänen schon am Montag berichtet. Deutschlands größtes Geldhaus kämpft in Russland mit einer Geldwäsche-Affäre. Russische Kunden werden verdächtigt, über die Bank Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen zu haben. Das US-Justizministerium, mehrere Aufsichtsbehörden und die Bank selbst ermitteln in dem Fall.

Reiche Kunden in Russland will das Institut weiterhin vor Ort betreuen, die Verwaltung der Konten soll aber ins Ausland verlagert werden. Mit dem Global Transaction Banking (GTB), zu dem der Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierungen und andere Dienstleistungen zählen, wird die Deutsche Bank in Russland ebenfalls weiter vertreten bleiben.

Russland-Chef Jörg Bongartz war nach neun Jahren bereits aus Moskau abgezogen worden. Er soll sich künftig von Frankfurt aus um Kunden in Mittel- und Osteuropa kümmern. Die Aktien der Deutschen Bank notierten knapp zwei Prozent im Minus - etwas stärker als der Gesamtmarkt.

Der Geldwäsche-Skandal in Russland hat die Bank, die noch in zahlreiche andere Rechtstreitigkeiten verwickelt ist, weiter unter Druck gesetzt. Das US-Justizministerium und die für eine strikte Gangart bekannte New Yorker Finanzaufsicht DFS haben Informationen zu umstrittenen Kundengeschäften angefordert.

Die Bank selbst geht in einer internen Ermittlung der Frage nach, ob Aktiengeschäfte in erheblichem Volumen zwischen Kunden der Deutschen Bank in Moskau und London Gesetze und eigene Kontrollverfahren verletzt haben. Außerdem leitete die Bank gegen Mitarbeiter vorort disziplinarische Maßnahmen ein.

Das Institut ist seit Monaten im Umbruch und will sich unter dem neuen Vorstandschef John Cryan vor allem auf die Regionen Europa, USA und Asien konzentrieren. Insofern stehen Insidern zufolge neben Russland auch Aktivitäten in Südamerika und Afrika zur Disposition. Bereits beschlossen sei der Rückzug aus sechs weiteren Ländern: Finnland, Dänemark, Norwegen, Malta, Peru und Neuseeland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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