Nord-Landesbank vor Verkauf
HSH Nordbank verdreifacht Gewinn

Die zum Verkauf stehende HSH Nordbank macht sich für Investoren attraktiver: Die Kernbank hat ihren Gewinn auf 639 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Es soll bereits eine zweistellige Zahl an Interessenten geben.
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Die Landesbank überrascht einen Tag vor Ende der Angebotsfrist für Käufer mit relativ guten Zahlen. Der Konzern, der aus der Kernbank und einer Abbaubank besteht, weist ein Vorsteuerergebnis von 121 Millionen Euro aus. Dabei kam die Kernbank auf einen Gewinn von 639 Millionen Euro, die Abbaubank schrieb Verluste in Höhe von knapp 300 Millionen Euro.

Das Institut muss auf Geheiß Brüssels verkauft werden. Die Kommission genehmigte Beihilfen und verlangte von den Mehrheitseignern Schleswig-Holstein und Hamburg, dass sie sich bis Ende Februar 2018 von dem Institut trennen. Bis Freitag müssen die Interessenten unverbindliche Kaufangebote vorlegen. Die EU-Kommission verlangt für die Gesamtbank einen positiven Verkaufserlös.

„Die HSH Nordbank hat im Jahr 2016 ihre operative Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Das zeigt sich auch an den erneut gestärkten Kapitalkennziffern“, sagte Vorstandschef Stefan Ermisch bei Vorlage der Zahlen in Hamburg. Die harte Kernkapitalquote stieg von 12,3 Prozent auf 14,1 Prozent.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Privatisierung des Instituts gelingt. Gleichzeitig räumte er bei der der Bilanzpressekonferenz aber auch ein, dass der Vorstand „nicht für Trübsal bezahlt“ wird. Zu konkreten Interessenten äußerte sich Ermisch nicht. Aber nach seinen Einschätzungen liege die Zahl im zweistelligen Bereich. Die Qualität der Interessenten aus Europa und außerhalb Europas sei „absolut im grünen Bereich“ – darunter seien strategische Investoren und Finanzinvestoren. „Es gibt ein natürliches Interesse der asiatischen Welt an der europäischen Welt“, sagte Ermisch auf die Frage nach möglichen Käufern aus China.

Auch zu potentiellen Interessenten aus dem Landesbankenlager hielt sich Ermisch bedeckt, aber nicht mit seiner Meinung zu gewissen Notwendigkeiten: „Nach meiner festen Überzeugung ist eine Konsolidierung im öffentlich-rechtlichen Bankenlager schon längst überfällig. Ich würde mir wünschen, dass man Chancen dann auch ergreift, wenn sie sich bieten.“

Ob diese Interessenten auch ein indikatives Angebot bis Freitagnacht abgeben werden, wisse er nicht. Aber üblicherweise würden diese Angebote „in der letzten Minute“ eingehen. Für nach wie vor wahrscheinlich hält er, dass sich Interessenten im Laufe des Verkaufsprozesses zusammenfinden. Das sei ein schwieriges Privatisierungsverfahren, aber „für jeden Topf gibt es einen Deckel“, sagte Ermisch mit Blick auf die Kern- und Abbaubank. Die Kommission pocht auf einen Gesamtverkauf der Bank. Auch die Werbetrommel wurde gerührt: Die Kernbank habe unter normalen Bedingungen ein Vorsteuerpotential von 300 Millionen bis 400 Millionen Euro und eine Kapitalrendite vor Steuern von zehn Prozent. „Diese restrukturierte Bank bietet jedem neuen Eigentümer erhebliches Wachstumspotenzial“, unterstrich Ermisch.

Dass die Bank trotz ihrer erneut hohen Risikovorsorge für Schiffskredite in Höhe von zwei Milliarden Euro nicht in die roten Zahlen abrutschte, liegt an der Bilanzgarantie der Länder. Diese umfasst ein Volumen von zehn Milliarden Euro. Das Management wird nicht müde zu betonen, dass die hohe Vorsorge auf ausfallgefährdete Kredite allein an den Altlasten liegt, sprich an den Krediten, die vor 2009 unter schwachen Risikostandards vergeben wurden. Der Vorsorgebedarf entfiel zu 98 Prozent auf Schiffskredite in der Abbaubank.

Mittlerweile summiert sich die Risikovorsorge für die leistungsgestörten Schiffskredite in Höhe von neun Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro. Das ist eine Abdeckungsquote von 60 Prozent. Das gilt gemeinhin als auskömmlich, doch die Schiffskrise geht mittlerweile ins achte Jahr und ein Ende ist nicht in Sicht.

Obwohl die Zukunft der HSH Nordbank ungewiss ist, stehen die Kunden bislang zur Bank. Das Neugeschäft erhöhte sich im Jahresvergleich um 100 Millionen Euro auf 8,9 Milliarden Euro. Dabei legte allein das Geschäft mit den Unternehmenskunden um 19 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro zu. Das Immobiliengeschäft um 100 Millionen Euro auf 4,6 Milliarden Euro. Diese Entwicklung hat offenbar sogar Vorstandschef Ermisch überascht – er sprach von einer „außergewöhnlich hohen Kundenbindung“.

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