Onlinekäufe
Erst die Rechnung, dann das Geld

Die Deutschen kaufen immer mehr online ein – aber bezahlen am liebsten erst, wenn die Bestellung da ist. Paydirekt, das Angebot der deutschen Banken, spielt fast keine Rolle. Und an der Ladenkasse bleibt Bargeld beliebt.
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BonnEinkaufen im Internet ist beliebt, und wird noch beliebter. Die Umsätze der Onlinehändler steigen, wie der deutsche Branchenverband BEHV ermittelt hat. Im vergangenen Jahr betrug er insgesamt fast 53 Milliarden Euro, für die ersten Monate 2017 meldet der Verband ein Plus im Vergleich zum Vorjahr. Beim Bezahlen aber sind die deutschen Kunden ziemlich traditionell: Rund 31 Prozent der Onlinekäufe, gemessen am Umsatz, laufen per Rechnung. Der Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr sogar noch etwas gestiegen, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, die Mittwoch veröffentlicht wurde.

Das Kölner EHI hat zu Jahresbeginn gut 100 Onlinehändler befragt. Sie repräsentieren, inklusive des mit Abstand größten Händlers Amazon und gemessen am Gesamtumsatz, rund 50 Prozent des Onlinemarktes.

Nach der Rechnung wird online am zweithäufigsten per Lastschrift bezahlt, der Anteil beträgt rund 20 Prozent – was auch daran liegt, dass Amazon Lastschrift und Kreditkartenzahlungen akzeptiert, aber nicht den US-Onlinebezahldienst Paypal. Deshalb liegt Paypal nur auf Platz drei mit knapp 18 Prozent Anteil, gefolgt von der Kreditkartenzahlung mit zwölf Prozent. Dabei dominiert Amazon den deutschen Markt, laut EHI-Daten zog der Onlinehändler zuletzt mehr als 20 Prozent der Umsätze auf sich. Die Top-10-Versandhäuser, darunter Amazon, Otto und Zalando, ziehen ein Drittel des Umsatzes auf sich.

Für den Onlinebezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, bringt die EHI-Studie allerdings keine guten Nachrichten. Mit einem eigenen Anteil taucht Paydirekt bei den zehn verschiedenen Zahlungsarten gar nicht erst auf. Kein Wunder: Nur 45 Online-Shops, bei denen man über Paydirekt kaufen kann, gehörten zuletzt zu den 1.000 umsatzstärksten der Branche. „Da allerdings eher auf den unteren Rängen“, sagte EHI-Expertin Dorothee Frigge.

Paydirekt – Ende 2015 gestartet mit dem Ziel, Paypal Paroli zu bieten, – ringt mit großen Anlaufschwierigkeiten. Bisher hat das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken rund 850 Onlinehändler angebunden. Diese zählen aber eher zu den kleinen Anbietern. Rund eine Million Verbraucher haben sich für Paydirekt registriert, doch die Transaktionszahl ist gering. Nach Handelsblatt-Informationen liefen bis Ende 2016 weniger als 100.000 Transfers.

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Paydirekts später Start rächt sich

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