Privatbanken verdienen weniger
Reiche wollen sehr viel Sicherheit

Vermögende halten sich in der Krise mit Investments zurück. Besonders die Privatbanken leiden unter dieser Entwicklung. Ihre Gewinne liegen deutlich unter denen vor der Krise. Die Lösung könnte ein Strategiewechsel sein.
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FrankfurtDie Reichen reagieren in der Krise nicht viel anders als alle anderen Anleger: Sie wollen mehr Sicherheit und parken einen größeren Teil ihres Geldes. „Es ist schwierig geworden, Investments wie Aktien und strukturierte Produkte zu verkaufen“, sagt Katrin Lumma, Partner der Beratungsfirma Zeb Rolfes Schierenbeck. „Die Kunden gehen lieber in klassische Bankprodukte – auch Festgeld und Tagesgeld spielen dabei eine große Rolle.“

Die Folge: Die Privatbanken verdienen in der Vermögensverwaltung weniger. Die Zeb-Berater gehen davon aus, dass das Private-Banking-Geschäft, das in der Regel Kunden mit mindestens einer Million Euro liquidem Vermögen bedient, weiter stark von der Situation an den Finanzmärkten abhängen und in den kommenden drei Jahren nur leicht wachsen wird.

Der Beratungsfirma McKinsey zufolge sank das verwaltete Vermögen deutscher Privatbanken im vergangenen Jahr um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sie sammelten zwar minimal frisches Geld ein, doch die Rendite der von ihnen verwalteten Kundenvermögen lag im Schnitt bei minus sechs Prozent. McKinsey schätzt das Vermögen der Kunden in Deutschland, die über mehr als eine Million Euro liquider Anlagemittel verfügen, auf 1,1 Billionen Euro. Die Hälfte dieser Summe haben die Reichen Privatbanken anvertraut.

An der Vermögensverwaltung verdienen die Banken aber weniger: McKinsey zufolge haben sich ihre Gewinnmargen seit Krisenausbruch halbiert. An jedem verwalteten Kunden-Euro verdient ein deutsches Institut im Schnitt 0,17 Cent. Vor der Finanzkrise waren es noch 0,35 Cent.

Die Bilanzen für 2011, die die meisten deutschen Privatbanken in den vergangenen Wochen veröffentlicht haben, zeigen, dass die Institute sich von der Finanzkrise zwar erholt haben. Die Gewinnniveaus von 2007, bevor die US-Investmentbank Lehman Brothers kollabierte, erreichen die meisten aber längst nicht.

„2012 verläuft bislang ähnlich wie 2011: Nach einem guten Start ist das Umfeld für das Private Banking wieder schwieriger geworden“, sagt Jens Hagel, Autor der McKinsey-Studie. Einen Hinweis darauf, dass die Geschäfte der Privatbanken nicht blendend laufen, liefert auch das schleppende Verkaufsverfahren der BHF-Bank, einer Tochter der Deutschen Bank.

Interaktive Infografik

Ergebnisse ausgewählter Privatbanken

in Mio. Euro

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  • Als ich vor 40 Jahren meine Banklehre absolvierte, waren viele Stolz BANKER zu sein. Mich trieb es aber in die freie Wirtschaft, denn die BANK mutierte schon damals zu einer "beamtenhaften Institution" - langweilig und ohne Herausforderung für einen jungen Menschen! Als kritischer Beobachter und heutiger Kleinunternehmer hat sich die Landschaft komplett verändert - Dank der Gier auf 20%ige Renditen, die ein Herr Ackermann vor Jahren als Benchmark für die Deutsche Bank ausgab. Institute wie Regionalbanken sind allesamt unter das DACH der Landesbanken geschlüpft - also quasi "verstaatlicht" - da auch verzockt wie wir wissen, und der REST - die feinen privaten Geldhäuser haben in meinen Augen unter der Fehleinschätzung der großen Häuser zu leiden. Und kommen kaum vom Fleck, weil die REICHEN im Lande mit dem großen Vertrauensverlust der Banken im allgemeinen überhaupt nicht klar kommen! Und ihre Anlagestrategie immermehr selbst in die Hand nehmen.

  • Lieber Leser ihr,

    wir berichten sehr wohl über die Ermittlungen gegen Steuersünder. Zuletzt heute Nacht z.B. hier:

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steueroasen-ermittler-verfolgen-ubs-spur-nach-singapur/6983806.html

  • Interssant ist, daß das HB heute noch nicht über die neusten Entwicklungen im Rahmen der Schweizer Steuerverbrechen berichtet. Es wird nämlich nun die Unzulänglichkeit des von Schäuble "ausgehandelten" Vertrages sichtbar.

    Aber das passt wohl nicht ins Bild des HB; der unendlich fleissigen Reichen im Lande...

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