Prozess gegen Adoboli
Die UBS fürchtet das Tageslicht

Für die UBS kann es peinlich werden, wenn heute der Prozess gegen den Händler und mutmaßlichen Betrüger Kweku Adoboli beginnt. Er hielt die Sicherheitssysteme der Bank zum Narren. Und die verlor dabei nicht nur Geld.
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Zürich/LondonÜber einen Mangel an Problemen kann sich Sergio Ermotti, der Chef der UBS, sicher nicht beklagen. Am heute wird noch ein weiteres hinzukommen: Dann beginnt vor dem Londoner Southwark Crown Court die Aufarbeitung eines der schmerzhaftesten Kapitel in der Geschichte der Schweizer Großbank - der auf acht Wochen angelegte Strafprozess gegen den mutmaßlichen Betrüger Kweku Adoboli.

Mit unerlaubten Index-Wetten hatte der junge Händler der Bank ziemlich genau vor einem Jahr einen finanziellen Schaden von zwei Milliarden Dollar zugefügt - noch schwerer wiegt aber wohl der Reputationsverlust. Der Skandal kostete den damaligen UBS-Chef Oswald Grübel den Job.

Nun kommen im Strafprozess alle Details der Affäre ans Tageslicht. Und genau davor fürchtet sich die UBS. Vorsorglich hat Ermotti seine Mitarbeiter bereits mit einem internen Memo auf möglicherweise peinliche Enthüllungen vorbereitet. "Angesichts der Tragweite des Vorfalls müssen wir davon ausgehen, dass im Prozessverlauf auch die Kultur und Praktiken von UBS zur Sprache kommen werden", schreibt Ermotti; und er ermahnt die UBS-Banker zur Wachsamkeit: "Fehlverhalten beinhaltet auch Wegschauen, das heißt, wenn bei Anzeichen von Unregelmäßigkeiten - auch scheinbaren Kleinigkeiten - nicht sofort energisch interveniert und eskaliert wird. Solches Fehlverhalten ist nicht tolerierbar."

Wirklich in die Offensive kann die Bank vor der Verhandlung nicht gehen, das verhindert das britische Prozessrecht. Adoboli muss sich vor zwölf Geschworenen verantworten - und die dürfen nicht durch Erklärungen beeinflusst werden. UBS ist zwar keine Partei in dem Verfahren; doch im Extremfall könnte der vorsitzende Richter urteilen, dass ein fairer Prozess wegen unbedachter Äußerungen nicht mehr möglich sei - und Adoboli wäre frei. Das wäre der GAU für die Schweizer.

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Schwächen in den Kontrollen

Kommentare zu " Prozess gegen Adoboli: Die UBS fürchtet das Tageslicht"

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  • Die Schweizer Banken haben sehr hohe Sicherheitsansprüche aber INTERN in Bezug auf die Leute die dort etwas zu sagen haben und ca. 50% die dort als sog. Fachexperten arbeiten....ich sag mal besser nichts dazu, ich könnte ein Buch schreiben, welches zum totlachen und k*tzen anregen würde.

  • "Schwächen in den Kontrollen"

    In einem Land wo so mancher Bank-Mitarbeiter Steuer-CDs erstellen und um teures Geld verkaufen kann, da scheint wohl sehr viel bei den Banken falsch zu laufen. Klar, wenn man nicht mal die eigenen Mitarbeiter bei ihren Spekulationsgeschaeften unter Kontrolle hat, was soll man viel erwarten?

    Das Schweizer "Bankgeheimnis" scheint wohl nur mehr bei den Verantwortlichen zu existieren.

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