Prozess um Formel-1-Rechte
Noch mehr Ärger für Ecclestone

Bei einem Prozess stehen schwere Vorwürfe gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone im Raum. Der Medienkonzern Constantin fordert 100 Millionen Dollar Schadensersatz, weil er beim Verkauf von Rechten betrogen worden sei.
  • 0

LondonIm Streit um den Ausstieg der BayernLB aus dem Motorrennsport vor acht Jahren erhebt der deutsche Medienkonzern Constantin schwere Vorwürfe gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Auf dessen Betreiben hin sei die Formel 1 beim Verkauf des BayernLB-Anteils an den Investor CVC um eine Milliarde Dollar unterbewertet worden, sagte Constantin-Anwalt Philip Marshall am Dienstag zum Auftakt eines Schadenersatzprozesses vor dem High Court in London. Constantin sei deshalb um eine Beteiligung am Verkaufserlös betrogen worden.

Wegen des Deals hat Ecclestone auch eine Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft und Schadenersatzforderungen der BayernLB am Hals. Ecclestone sät indes Zweifel an der Glaubwürdigkeit seines mutmaßlichen Komplizen im BayernLB-Vorstand. Der frühere Vorstandsmanager Gerhard Gribkowsky, der den Formel-1-Anteil der Landesbank auf Ecclestones Betreiben zu billig verkauft haben soll, sei ein „Fantast“, erklärte Ecclestones Rechtsanwalt Robert Miles.

Zugleich macht Constantin auch in der Schweiz Druck auf Ecclestone. Die Staatsanwaltschaft in Genf erklärte am Dienstag, sie habe aufgrund einer Anzeige des deutschen Konzerns Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf aufgenommen. Sie prüfe auch, ob sie überhaupt zuständig sei.

Der Gesamtwert der Formel 1 sei von CVC damals lediglich mit gut zwei Milliarden Dollar veranschlagt worden, tatsächlich hätten es mehr als drei Milliarden Dollar sein sollen, sagte Marshall vor dem Londoner Gericht. Ecclestone und seine Familienholding Bambino, die seit langem zu den Miteignern des Rennsportbetreibers zählen, hätten dadurch einen Vorteil von einer Milliarde Dollar erlangt.

„Aus unserer Sicht war die Transaktion erheblich zum Vorteil von Herrn Ecclestone und Bambino ausgelegt und erheblich zum Nachteil der BayernLB und derer, die einen Anteil an den Verkaufserlösen hatten“, erklärte der Constantin-Anwalt. Zu den Geschädigten zähle sein Mandant, der ein Vorbesitzer der Formel 1 war. Als die Anteile an die BayernLB gingen, hatte sich Constantin einen Nachschlag für den Fall zusichern lassen, dass die Bank bei einem Weiterverkauf mehr als eine bestimmte Summe einnehmen sollte.

Im November 2005 veräußerte die Landesbank ihr knapp 50-prozentiges Paket für mehr als 830 Millionen Dollar an CVC - aus Sicht von Constantin ein Schleuderpreis. Der Sport- und Filmkonzern fordert deshalb in dem Prozess mehr als 100 Millionen Dollar Schadenersatz von Ecclestone und dem damals verantwortlichen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky. „Zwischen Herrn Gribkowsky und Herrn Ecclestone wurde eine korrupte Abmachung getroffen“, sagte Marshall. Er verwies auf Erkenntnisse der Münchner Justiz, wonach Ecclestone Gribkowky mit 44 Millionen Dollar geschmiert haben soll, damit dieser die Formel 1 an einen von Ecclestone bevorzugten Investor verkaufte. Ecclestone hatte hingegen erklärt, Gribkowsky habe das Geld von ihm erpresst. Der Londoner Richter Guy Newey will die Erkenntnisse der deutschen Justiz jedoch nicht als Beweis akzeptieren und forderte Constantin auf, seine Ansprüche selbst zu belegen.

Der Prozess ist auf sechs Wochen angesetzt. Äußerungen der Rechtsanwälte von Ecclestone und den übrigen Beklagten werden in den kommenden Tagen erwartet, sobald der Constantin-Anwalt die Klage vollständig vorgetragen hat.

Agentur
mid  
Motor-Informations-Dienst / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prozess um Formel-1-Rechte: Noch mehr Ärger für Ecclestone"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%