Quartalszahlen
Barclays verdoppelt Gewinn

Das britische Geldhaus legt vor Steuern einen Gewinn von 1,7 Milliarden Pfund vor. Das überrascht Analysten. Doch Schwächen im Handelsgeschäft und eine Whistleblower-Affäre überschatten das Quartalsergebnis.
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LondonDie britische Großbank Barclays hat im ersten Quartal dieses Jahres ihren Gewinn vor Steuern mehr als verdoppelt. Er lag bei 1,7 Milliarden Pfund (umgerechnet zwei Milliarden Euro) – nach 800 Millionen im ersten Quartal des Vorjahres, wie das Institut am Freitag mitteilte. Der Überschuss fiel damit höher aus als von Analysten erwartet. Doch Schwächen im Handelsgeschäft, Abschreibungen sowie die Whistleblower-Affäre um Vorstandschef Jes Staley überschatten die Ergebnisse.

Staley hatte versucht, den Verfasser eines anonymen Beschwerdebriefs ausfindig zu machen und hatte so gegen interne Regeln zum Schutz von Whistleblowern verstoßen. Britische Finanzaufsichtsbehörden ermitteln daher gegen Staley. Solange diese Untersuchungen anhalten, sollten Investoren daher nicht für die Wiederwahl des Barclays-Chefs bei der Hauptversammlung im Mai stimmen, empfehlen Aktionärsberater von ISS. Stattdessen sollten sie sich enthalten.

Bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen wollte sich Staley zu dem Thema nicht äußern und begründete das mit den Ermittlungen der Behörden. Nur so viel könne er sagen: Er habe versucht, einen wehrlosen Mitarbeiter zu verteidigen. Das hätte er nicht tun sollen, sagte Staley. Je nach Ausgang der Untersuchungen, die einige Monate dauern können, kann er durchaus mit einer Verwarnung davonkommen. Sollten die Behörden aber zu dem Schluss kommen, dass er für diesen Job ungeeignet ist, wird er seinen Posten räumen müssen.

Der 60-Jährige US-Amerikaner führt Barclays seit Dezember 2015 und hat den Umbau der Bank erfolgreich fortgesetzt, indem er unprofitable Einheiten verkaufte und die Trennung vom Afrika-Geschäft auf den Weg brachte. „Das war ein weiteres Quartal, in dem wir gute Fortschritte gemacht haben, um die Restrukturierung von Barclays abzuschließen“, sagt Staley am Freitag. Allerdings hat sich das Finanzinstitut im Handelsgeschäft im Vergleich zu seinen US-Konkurrenten schlechter geschlagen. Diese haben die Umsätze in einigen der Segmente deutlich steigern können, bei Barclays sind sie beispielsweise im US-Aktienhandel gesunken.

Der Aktienkurs der Bank ist zwischenzeitlich um vier Prozent eingebrochen. Analysten begründeten das teilweise mit Abschreibungen auf den Wert des Afrika-Geschäfts von Barclays. Das hatte den Nettogewinn der Bank belastet. Unter dem Strich verdiente Barclays 190 Millionen Pfund – nach 433 Millionen Pfund im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

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