Rekordverlust bei der Deutschen Bank
Das große Ausmisten

Lieber sanieren als Luftschlösser bauen: Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, schafft Fakten. Und die sind schmerzhaft für das deutsche Geldhaus. Doch der Härtetest kommt erst Ende des Monats.
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FrankfurtEs ist ein glasklares Signal an Investoren und Mitarbeiter: Mit einem Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro im dritten Quartal, einer Kappung der Dividende und möglichen Einschnitten bei den Boni demonstriert John Cryan, dass bei der Deutschen Bank ein neuer, eisiger Wind weht.

Statt wie sein Vorgänger Anshu Jain mit unrealistischen Zielen Luftschlösser zu bauen, startet der neue Vorstandschef die grundlegende Sanierung des Geldhauses. An die Stelle von Versprechungen tritt der Anspruch des Briten, ohne große Worte Fakten zu schaffen.

Durch den Rekordverlust der Bank ist die Wahrheit nun für jeden ersichtlich: Die Altlasten sind bei der Bank immer noch enorm. Hohe Abschreibungen im Investmentbanking auf den Wert der 16 Jahre zurückliegenden Übernahme von Bankers Trust, ebenso auf den erfolglosen und vor der Rückabwicklung stehenden Kauf der Postbank sowie neue Kosten für Rechtstreitigkeiten ziehen die Bank tief in die roten Zahlen.

Nun gehört es zum Standardrepertoire eines neuen Vorstandschefs, im ersten Quartal seiner Amtszeit mit Horrorzahlen aufzuwarten. Diese kann man kommod seinem Vorgänger in die Schuhe schieben – um in den darauf folgenden Quartalen umso schöner zu glänzen. „Kitchen sinking“ nennen die Anglo-Amerikaner diese beliebte Vorgehensweise: Die Probleme in den Ausguss kippen.

Bei dieser Strategie werden die Probleme gerne auch mal überzeichnet, um nachher umso besser dazustehen. Doch was in manchen Fällen in die Rubrik billiger Managementtricks gehört, ist im Falle Cryans und der Deutschen Bank ebenso glaubwürdig wie bitter notwendig. Denn es ist unbestritten, dass das unter chronischer Renditeschwäche und ewigen Skandalen leidende Geldhaus einer ebenso entschlossenen wie zunächst schmerzhaften Restrukturierung bedarf.

Dabei machte der aus dem Aufsichtsrat in die CEO-Rolle gewechselte Cryan von Anfang an keine Gefangenen. Schon in seiner ersten Botschaft an die Mitarbeiter zum Jobstart nannte er die Probleme beim Namen: Er geißelte die „inakzeptabel“ hohen Kosten und komplexen Abläufe. Und er kündigte Einschnitte im Handelsgeschäft an, welches im heutigen Umfeld in manchen Bereichen zu viel Kapital konsumiere und damit nicht mehr wirtschaftlich sei. Nun handelt er danach.

Doch das bilanztechnische Großreinemachen kann nur ein erster Schritt sein. Was Cryan den gebeutelten Aktionären und Mitarbeitern bis Ende Oktober liefern muss, ist ein klarer Fahrplan für die Restrukturierung sowie die lange ersehnten Details der neuen Strategie 2020. Und er muss Mut zeigen und den in Teilen durch den Skandal um manipulierte Libor-Zinsen desavouierten Vorstand und erweiterten Führungskreis darunter entschlossen umbauen.

Bislang hat es der ehemalige Finanzchef der UBS geschafft, die Management-Etikette zu wahren: Immerhin zwei Tage vor Ablauf der berühmten 100-Tage-Schonfrist schafft er auf spektakuläre Art erste Fakten. Doch die – hoffentlich ausreichende –Bilanzbereinigung war der leichtere Teil. Der wirklich diffizile, an dem er letztlich gemessen werden wird, muss in drei Wochen folgen.

Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen.
Daniel Schäfer
Handelsblatt / Leiter Finanzzeitung

Kommentare zu " Rekordverlust bei der Deutschen Bank: Das große Ausmisten"

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  • Der eigene Mist fühlt sich wohlig warm an und für manche riecht er sogar gut. Des Nachbarn Mist ist aber immer ekelerregend und ein ständiges Ärgernis.

    Der kranke Mensch bekommt bald Organe von Schweinen eingepflanzt, dann passt es!
    Gnadenlose Objektivität bedeutet anzuerkennen, dass die Menschheit das widerlichste Ärgernis in diesem Sonnensystem ist.

    Ausmisten wird langfristig nicht die Lösung bringen, die universalen Gesetze der biologischen Endlichkeit schon!

    Die Menschheit hat nicht die geringste Chance auf Ewigkeit und die intelligentesten der Spezies Mensch wissen das auch. Die Menschheit hat allerdings die Möglichkeit eine neue künstliche und wesentlich intelligentere Spezies zu kreieren, welche in der Lage wäre bis zum Ende des Universums in ständiger und eigenständiger Reproduktion und Weiterentwicklung zu funktionieren.
    Eine andere Aufgabe gibt es für die Menschheit definitiv nicht und ob das überhaupt sinnvoll ist entzieht sich unserer Kenntnis.

  • @Herr Ingo Tietz

    Die Äußerungen des Herrn Sinn sind faktisch absolut richtig, sie machen im wahrsten Sinne des Wortes Sinn.
    Man kann es auch anders ausdrücken, wer Schmarotzer aushalten muss oder will hat naturgemäß einen höheren Aufwand durch eigene Anstrengung zu betreiben oder muss selbst bis zum gravierenden eigenen Mangel Verzicht hinnehmen. Das ist die Wahrheit die uns von den Gutmenschen verschwiegen wird, von daher ist der Herr Sinn nur der Bote der uns allen die bitterböse Botschaft überbringt, er ist aber mitnichten der Auslöser der erzwungenen kommenden Zustände, das sind unsere Gutmenschen und hauptsächlich unsere Feudalkruste.

    Jeder mit drei funktionierenden Gehirnzellen weiß auch wer den ganzen Mist fiskalisch-wirtschaftlich und vor allem auch menschlich auszubaden hat, - nur Volldeppen lügen sich noch die Realität schön!

  • @Reiner Blumenhagen
    Ach Herr Blumenhagen, die Netiquette bestimmt selbstverständlich der Seitenbetreiber und die Gesetze bestimmt der Gesetzgeber. Niemand bestreitet das!

    Wenn aber beides ambivalent oder in eigenen Angelegenheiten völlig außer Kraft gesetzt wird, also nur noch elitären und feudalen Zwecken zu dienen hat, dann muss wer damit einverstanden sein?!

    Richtig, nur debile Vollpfosten und die kleine Klicke von Profiteuren!!!

    Zu welchen gehören Sie denn?!

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