Risikoprämien
Europas Banken leiden unter der Verunsicherung

Die unruhigen Märkte machen auch die Banken in Europa nervös. Die Risikoprämien der Kreditversicherungen steigen deutlich an und die Kreditinstitute horten Liquidität. Vor allem die Banken aus einem Land sind im Fokus.
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FrankfurtEuropas Banken sind vorsichtig. Angesichts der Turbulenzen an den Märkten wollen die meisten Institute auf Nummer sicher gehen und verleihen kein Geld mehr an andere Banken. Sie parken die Finanzmittel lieber bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Volumen der Einlagen bei der EZB ist zuletzt auf 134,8 Milliarden Euro gestiegen, nachdem es eine Woche zuvor noch 17 Milliarden Euro weniger gewesen waren. Zu geringe Liquiditätsreserven waren 2008, als die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach, das große Problem vieler Banken. Nur ein Überschwemmen der Märkte mit Geld durch die Notenbanken hatte die Institute damals am Leben gehalten.

Italienische Finanzhäuser im Fokus

Vorsicht lassen vor allem die italienischen Banken walten, die nach jüngsten Zahlen ihre Ausleihungen bei der EZB mit 80,49 Milliarden Euro im Juli im Vergleich zu Mitte des Jahres fast verdoppelt haben. Damals waren es noch 41,32 Milliarden Euro gewesen. Diese Vorsicht wird begleitet von einem zunehmenden Misstrauen des Marktes. Die Kreditversicherungen, sogenannte CDS, sind für Italiens Banken deutlich gestiegen. Seit dem Ausbruch der jüngsten Krise vor knapp zwei Wochen kletterten die CDS beispielsweise für Unicredit um gut ein Viertel auf heute 3,63 Prozent. Das heißt: Um fünf Jahre lang Verbindlichkeiten über eine Million Euro abzusichern, muss jährlich eine Prämie über 36300 Euro bezahlt werden. Für Banken in Europa wären nach dem Barometer Markit Itraxx Senior Financials 2,11 Prozent fällig.

Angesichts des zunehmenden Misstrauens der Banken untereinander ist der Zinsabstand zwischen dem Leihgebühren bei Übernachtausleihungen und Ausleihungen für drei Monate innerhalb einer Woche um über 50 Prozent auf 0,55 Prozentpunkte gestiegen. Anfang vergangener Woche waren es noch 0,36 Prozentpunkte.

Die Unsicherheit dürfte europäische Banken weiter belasten, sagt Edward Firth von der australischen Bank Macquarie. Als einen "der wenigen sicheren Häfen" hebt der Experte die britische Bank HSBC im europäischen Bankensektor hervor. Französische Institute dürften dagegen unter anhaltenden Spekulationen leiden, dass Frankreich seine Topnote "AAA" bei der Bonitätseinschätzung durch die Ratingagenturen verliert. Für Banken aus Italien und Spanien ist Macquarie zuversichtlicher. Ihre Kurse könnten sich wegen des Ankaufs von Staatsanleihen dieser Länder durch die EZB erholen. Die Stresstests der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zeigen laut Macquarie, dass die Deutsche Bank, HSBC, Commerzbank, BNP Paribas und die Royal Bank of Scotland die größten Positionen in US-Staatsanleihen halten.

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