Roland Berger
Der größte Fan der Deutschen Bank

Seit sich der Kurs der Deutschen Bank rasant von seinen deprimierenden Tiefständen erholt, haben die Frankfurter plötzlich wieder viele Fans, aber wohl keinen so glühenden Verehrer wie den ehemaligen Unternehmensberater Roland Berger.
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FrankfurtWenn sich der Aktienkurs eines Instituts innerhalb von zwölf Monaten quasi halbiert, wenn sich die gleiche Bank gegen Gerüchte einer Staatsrettung wehren muss, dann muss doch etwas passiert sein, oder? Dann müssen in der Vergangenheit Dinge schief gelaufen und Fehler begangen worden sein.

Bei der Deutschen Bank war das aber nicht der Fall. Zumindest wenn man dem legendären Unternehmensberater Roland Berger glauben darf, der die Strategie der Bank und ihre ehemaligen Vorstandschefs inklusive Josef Ackermann in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in den allerhöchsten Tönen lobt.

Am Einstieg in das globale Investmentbanking vor 25 Jahren habe kein Weg vorbeigeführt, meint Berger. „Die Zukäufe von Morgan Grenfell 1998 unter Alfred Herrhausen und von Bankers Trust 1999 unter Ralf Breuer waren daher absolut richtig und notwendig“, schreibt der prominente Experte. Und: Die Expansion habe erst die Voraussetzung dafür geschaffen, „dass es die Deutsche Bank unter Josef Ackermann unter die Top 3“ der globalen Investmentbanken geschafft habe. Alles in allem „eine große unternehmerische Leistung“.

Abstriche für Regelverstöße

Für Berger sind die Skandale der Vergangenheit von der Zinsfälschung bis zu faulen Hypothekengeschäften nur so etwas wie Betriebsunfälle. Denn „strategisch und operativ hat die Bank nichts anderes getan als die gesamte Branche in ihren Boomjahren“. Außerdem liege die Deutsche Bank was die Strafzahlungen angehe ja nur im Mittelfeld der Branche. Alles in allem sei der „Gang ins Investmentbanking trotz der der unzweifelhaft notwendigen Abstriche für nicht entschuldbare Regel- und Gesetzesverstöße eine Erfolgsstory“. Die aktuellen Probleme der Bank hätten andere Ursachen.

Bergers Analyse mag unpopulär sein, doch im Prinzip liegt er richtig – aber eben nur im Prinzip. Denn ganz so nonchalant kann man über die vielen Vergehen der Deutsch-Banker nicht hinweggehen. Vier Mal musste die Deutsche Bank ihre Anleger seit 2008 um frisches Kapital bitten. Gut 24 Milliarden Euro sammelte das Geldhaus von seinen Aktionären ein. Über die Hälfte davon wurde allerdings von den Rechtskosten wieder aufgefressen. Und in dieser Summe ist der größte Fall, die faulen Hypothekengeschäfte in den USA noch nicht enthalten. Die Strafandrohung von bis zu 14 Milliarden Dollar durch das US-Justizministerium bescherte der Bank im Herbst einige ausgesprochen ungemütliche Wochen und drückte den Kurs auf ein Allzeittief von unter zehn Euro.

Ohne die aggressive Kultur im Investmentbanking , die sich in der Deutschen Bank spätestens seit der Ära Ackermann etabliert hat, stünde die Bank heute deutlich besser da. Ohne die immensen Strafzahlungen wären die Zweifel an der Kapitalstärke der Bank deutlich geringer, und der heutige Chef John Cryan hätte sehr viel mehr Spielraum bei der Suche nach der richtigen Strategie. Insofern mag der Einstieg ins Investmentbanking zwar die Grundlage für den internationalen Aufstieg gelegt haben, aber die Wurzeln der heutigen Probleme lassen sich anders als Berger glaubt sehr wohl auch bis dahin zurückverfolgen.

Im Interview mit dem Handelsblatt sieht der Europa-Chef des Investmentbankings der Deutschen Bank, Alasdair Warren, noch einige Herausforderungen für eine Wiederbelebung des Geschäfts: „Wir müssen beweisen, dass wir in Sachen Kosten und Rendite vorankommen und unsere eigene Strategie effizient umsetzen können. Das steht auch im kommenden Jahr weiterhin im Mittelpunkt.“

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