Royal Bank of Scotland
Aufräumarbeiten bremsen britische Großbank

Wegen der Finanzkrise geriet die Royal Bank of Scotland ins Schlingern. Der Chef des Geldhauses will das Kreditinstitut wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Doch das Großreinemachen zehrt am Gewinn des Unternehmens.

LondonMilliardenschwere Aufräumarbeiten in der Bilanz kommen auch die Royal Bank of Scotland (RBS) teuer zu stehen. Ähnlich wie bei der Deutschen Bank zehren hohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten am Ergebnis im vierten Quartal. Deshalb dürfte der Gewinn um rund 2,5 Milliarden Pfund (3,4 Milliarden Euro) geringer ausgefallen sein, wie das britische Institut am Mittwoch überraschend mitteilte. Ob damit bei dem in der Finanzkrise teilverstaatlichten Institut 2015 erstmals seit sieben Jahren wie ursprünglich erhofft noch ein Gewinn übrig blieb, ist nun mehr als fraglich. Aktionäre reagierten enttäuscht: Die Aktie gab in London drei Prozent nach.

Der Großteil der Belastungen geht auf Vorsorge für Prozesse im Zusammenhang mit dem Hypothekengeschäft in den USA zurück. Zusätzliche 2,2 Milliarden Dollar (rund 1,43 Milliarden Pfund) stellt die Bank dafür zurück. Insgesamt sind es nun 5,6 Milliarden Dollar. Alle Streitigkeiten seien damit aber noch nicht abgedeckt, sagte Finanzchef Euan Stevenson. Für den Streit mit den heimischen Aufsichtsbehörden über Versicherungen, die Kunden in Großbritannien aufgedrängt wurden, hält das Geldhaus zusätzliche 500 Millionen Pfund in der Hinterhand. Hinzu kommt eine Abschreibung auf die Vermögensverwaltung in ähnlicher Höhe.

Einen ähnlichen Kehraus legt gerade auch der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan hin, der dem Frankfurter Institut im vergangenen Jahr mit einem Minus von fast sieben Milliarden Euro den größten Verlust seiner Geschichte eingebrockt hat. Auch hier verschlingen Skandale und der Umbau des Geschäfts viel Geld. An diesem Donnerstag will die Bank Details ihrer tiefroten Bilanz präsentieren.

Die Schweizer Großbank Credit Suisse ächzt ebenfalls unter solchen Problemen. Der Versicherungsskandal in Großbritannien setzt auch dem spanischen Rivalen Santander zu: Unter anderem deswegen brach der Nettogewinn im vierten Quartal um 98 Prozent auf 25 Millionen Euro ein, wie die größte Bank der Euro-Zone am Mittwoch mitteilte.

Wie bei der Deutschen Bank ist auch bei RBS ein Ende der Rosskur nicht in Sicht. Weitere Schritte könnten folgen, um die Bank stärker und sicherer zu machen, sagte RBS-Chef Ross McEwan. "Wir werden 2016 weiter und schneller vorangehen, um bei der Bank aufzuräumen und das Kerngeschäft in Schwung zu bekommen." Auch die Experten der US-Bank Citigroup sehen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: "Wir rechnen auch 2016 mit erheblichen Zusatzbelastungen."

McEwan hat nach der Übernahme des Chefpostens im Oktober 2013 dem Kreditinstitut ein Großreinemachen verordnet. So will er die Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen, damit der Staat seinen Anteil von knapp drei Viertel abbauen kann. Die RBS war in der Finanzkrise ins Schlingern geraten und wurde vom Staat mit 46 Milliarden Pfund gestützt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%