Rückversicherung
Munich Re verdient wohl schon wieder weniger

Der weltgrößte Rückversicherer plant auch für 2017 mit weniger Gewinn. Es wäre der vierte Rückgang in Folge. Das bedeutet vor allem eines: Viel Arbeit für den kommenden Vorstandschef Joachim Wenning.
  • 0

MünchenEiner Firma, die Milliardengewinne schreibt, geht es zwangsläufig nicht schlecht. Und bei der Munich Re haben Milliardengewinne beinahe Tradition. Was die Aktionäre des weltgrößten Rückversicherers jedoch am Mittwochmorgen von dort zu hören bekamen, dürfte vielen nicht passen. „Wir streben 2017 – in einem absehbar schwierigen Umfeld – einen Gewinn in einer Spanne von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro an,“ sagte der scheidende Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. Es wäre der vierte Gewinnrückgang in Folge und ein Indiz, dass die Munich Re dringend ein verändertes Geschäftsmodell braucht.

Denn der anhaltender Preiskampf und die Sanierung der Direktversicherungs-Tochter Ergo führten in dem Traditionshaus in der Münchener Königinstraße im abgelaufenen Jahr bereits zu einem Gewinnrückgang von 16 Prozent. Unter dem Strich blieb da noch ein Überschuss von 2,6 Milliarden Euro.

Für von Bomhard, der nach der Hauptversammlung Ende April sein Amt abgibt, ist es ein Abschied mit Wehmut nach einem turbulenten Jahr: Im Sommer hatte der Konzern seine Ergebnisprognose wegen des teuren Umbaus der Erstversicherungstochter Ergo zunächst um ein Viertel gesenkt, um sie im Herbst dann wieder anzuheben. Einen Überschuss von „deutlich mehr als 2,3 Milliarden Euro“ stellte der Konzern seitdem in Aussicht – und hielt nun Wort

Doch der Veränderungsbedarf ist nun unübersehbar. Prämienvolumen und Eigenkapitalrendite im Kerngeschäft stehen weiter unter Druck. Die von den Zentralbanken im Kampf gegen die Finanzkrise gesenkten Zinsen setzen sowohl der Versicherungs- als auch der Rückversicherungsbranche schwer zu. Ein weiterer Grund für den Preisdruck ist das starke Überangebot an Rückversicherungsschutz im Markt.

Viele Erstversicherer sitzen auf dicken Kapitalpolstern und gehen inzwischen selbst lieber ein größeres Risiko ein, als sich rückzuversichern. Zudem sind seit Jahren immer mehr Pensions- und Hedgefonds im Markt vertreten und bieten ihrerseits Rückversicherungen an.

Neue Versicherungsfelder müssen her, neue Risiken, in die Branchenneulinge nicht so leicht stoßen können. Erste Schritte wurden bereits gemacht: Die Großen der Branche setzen auf maßgeschneiderte Lösungen statt auf Massengeschäft und fahnden nach neuen Geschäftsfeldern. Vor allem von Cyberversicherungen und Schutzpolicen für große Firmen, die bei großen Epidemien Einbußen erleiden, versprechen sich die Manager in München künftig viel.

Sehr viel Arbeit also für Joachim Wenning, der Ende April nach der Hauptversammlung das Zepter übernimmt. Das Eigengewächs ist bereits seit den frühen 90er Jahren im Haus, muss sich somit nicht erst einarbeiten. Mit dem Erstversicherer Ergo weiß er intern um den nächsten Krisenherd. Dort ist der Umbau zwar in vollem Gange – vor allem bei digitalen Angeboten will man ganz an die Spitze -, bis erste Früchte zu erkennen sind, wird es jedoch noch dauern. Die schwächelnde Tochter Ergo, die die Munich Re 1997 durch die Fusion ihrer Beteiligungsgesellschaften Victoria und Hamburg-Mannheimer gründete, könnte eine erste wichtige Wegscheide für den neuen Vorstandschef werden. Denn die eine Milliarde Euro, die die Mutter für die Sanierung des Düsseldorfer Geschäfts insgesamt zur Verfügung stellt, dürfte die letzte Stütze sein, die ihr die Mutter gewährt.

Dafür können Aktionäre der Munich Re an anderer Stelle auf Bewährtes hoffen. Zum zehnten Mal seit dem Jahr 2006 wird der weltgrößte Rückversicherer Aktien zurückkaufen. Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro sollen bis zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2018 erworben werden, teilte die Munich Re am Morgen mit.

Man muss keine prophetischen Gaben besitzen, um zu erkennen, dass dann bereits das nächste Rückkaufprogramm anstehen dürfte. Lediglich zwischen Mai 2011 und Oktober 2013 gab es für zweieinhalb Jahre eine Unterbrechung. Wegen der unklaren Auswirkungen der Finanzkrise behielt man das Geld damals lieber im eigenen Haus. „Aktienrückkäufe sind auch deswegen gut, weil wir das Geld sonst nur horten würden“, sagte Finanzvorstand Stefan Schneider vor kurzem dem Handelsblatt.

Auch eine personelle Überraschung verkündete der weltgrößte Rückversicherer. Ludger Arnoldussen, Vorstand unter anderem für das Geschäft in Deutschland, Asien/Pazifik und Afrika, wird nach der Hauptversammlung am 26. April seinen Posten räumen. „Im besten gegenseitigen Einvernehmen“, heißt es in der Presseerklärung. Was dann doch überrascht, ist Arnoldussen doch seit dem Jahr 2006 schon im Vorstand der Munich Re und hat mit 55 Jahren längst nicht die Altersgrenze von 60 Jahren erreicht. Ersetzt wird er durch den 51-jährigen Hermann Pohlchristoph, der seit 2002 im Unternehmen ist, zuletzt als Finanzvorstand des Geschäftsfeldes Rückversicherung.

Kommentare zu " Rückversicherung: Munich Re verdient wohl schon wieder weniger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%