Russland-Geschäft
Deutsche Bank könnte gegen Sanktionen verstoßen haben

Bei Verstößen gegen Sanktionen sind die USA nicht zimperlich und verhängen gerne auch mal Milliardenstrafen. Laut „Financial Times“ prüfen US-Aufseher Geschäfte der Deutschen Bank in Russland – mit unklarem Ausgang.

New YorkDer Deutschen Bank könnte offenbar neuer Ärger drohen. Eine Untersuchung der US-Behörden soll „massiv ausgeweitet” werden, berichtet die „Financial Times” am Sonntag. Dabei gehe es um Geschäfte in Russland, die das US-Justizministerium und das New Yorker Department of Financial Services bereits seit Monaten untersuchen. Bislang gab es den Verdacht auf Geldwäsche. Nun wollen die US-Behörden jedoch klären, ob dabei nicht auch Sanktionen gegen Russland verletzt wurden, hieß es.

Der Börsenkurs drehte am Vormittag ins Minus: Die Aktien verloren zwei Prozent. Der mögliche Fall von Geldwäsche stelle „ein erhebliches, unkalkulierbares Risiko für die Deutsche Bank“ dar, erläuterte ein Börsianer die Kursreaktion. Schlimmstenfalls müsse die Bank deshalb erneut zu einer Kapitalerhöhung greifen.

Konkret soll es um Handelsgeschäfte im Wert von sechs Milliarden Dollar gehen, die zwischen Anfang 2011 und Anfang 2015 ausgeführt wurden. In sogenannten „Mirror Trades“ sollen russische Kunden Wertpapiere über die Niederlassung der Deutschen Bank in Moskau in Rubel gekauft und dann die identischen Papiere in Dollar und anderen ausländischen Währungen wieder verkauft haben – an den Behörden vorbei. Der Verkauf soll über die Deutsche Bank in London abgewickelt worden sein.

Im Fokus der amerikanischen Ermittlungen stünde der Amerikaner Tim Wiswell, der das Aktiengeschäft der Bank in Russland geleitet hat und im Zuge der internen Untersuchung der Bank beurlaubt wurde. Zudem würden die US-Aufseher prüfen, ob die Compliance-Programme des Instituts ausreichend waren, um die Sanktionen in Russland zu berücksichtigen und die Regulierer mit den nötigen Informationen zu versorgen.

Zu den russischen Kunden der Bank hätten unter anderem die Brüder Arkady und Boris Rotenberg gezählt, die zum engeren Zirkel von Russlands Präsident Vladimir Putin gehören. Arkadi Rotenberg sei Putins langjähriger Judo-Partner. Beide seien von den Sanktionen betroffen, die Amerika 2014 auferlegt hatte. Das macht es besonders schwer für US-Bürger und US-Unternehmen, mit den betroffenen russischen Individuen und Firmen Geschäften zu machen – vor allem, wenn es um Dollar-Transaktionen geht.

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