Schadenersatz
Richter macht den HRE-Anlegern Mut

Im milliardenschweren Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht München gibt es Hoffnung für Anleger der Hypo Real Estate. Nach Ansicht der Richter habe das Institut die Finanzlage zu positiv eingeschätzt.
  • 4

MünchenIm milliardenschweren Schadenersatzprozess gegen die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) macht das Oberlandesgericht München den Anlegern Hoffnung. Die Bank habe die Investoren ein halbes Jahr vor Bekanntwerden ihrer desaströsen Lage hinters Licht geführt, lautet die vorläufige Einschätzung des Senats. Eine Pressemitteilung der HRE vom 3. August 2007 sei „wesentlich zu optimistisch“ gewesen, sagte Richter Guido Kotschy am Montag zum Verhandlungsauftakt in München. Darin hatte die später notverstaatlichte Bank ihre Geschäftsprognose bestätigt und von Belastungen aus der Krise am US-Hypothekenmarkt nichts wissen wollen.

Diese Veröffentlichung werde von großer Bedeutung für den Prozess sein, sagte Kotschy. „Dass diese Mitteilung vom 3. August 2007 sehr positiv war, dass diese Ansage zu positiv war, das die dahinterstehende Einschätzung sich als unzutreffend erwiesen hat und dass eine Korrektur der Veröffentlichung notwendig war, das ist unsere vorläufige Einschätzung“, erläuterte der Vorsitzende Richter. „Wir sehen das ganz deutlich, dass man spätestens im November hätte tätig werden müssen mit dem Quartalsbericht.“

Die HRE hatte erst am 15. Januar 2008 überraschend Abschreibungen auf strukturierte Wertpapiere bekannt gegeben. Hintergrund war die Krise am US-Hypothekenmarkt. Die damals im Dax gelisteten HRE-Aktien brachen um 35 Prozent ein und rissen auch den wichtigsten deutschen Aktienindex mit ins Minus Endgültig ins Straucheln geriet die HRE, als in der Finanzkrise ihre Staatsfinanzierungstochter Depfa vor dem Zusammenbuch stand.

Rechtsanwalt Andreas Tilp will stellvertretend für Hunderte Anleger eine Musterklage über gut eine Milliarde Euro durchfechten. Nach seinen Angaben stehen in dem Musterprozess erstmals in Deutschland Ansprüche institutioneller Investoren aus dem In- und Ausland im Vordergrund, nachdem es bisher in ähnlichen Verfahren fast nur um betroffene Kleinanleger ging.

Seite 1:

Richter macht den HRE-Anlegern Mut

Seite 2:

Steuerzahlern drohen neue Belastungen

Kommentare zu " Schadenersatz: Richter macht den HRE-Anlegern Mut"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Good Governance,
    @ Pandorra; SFM, sowat:
    Kann nur somit umschrieben werden, dass das was hier mit der HRE abgeht, eigentlich durch die Bafin kontrolliert hätte werden müssen. Ausserdem muss man auch den unabhängigen Richtern immer wieder vorwerfen, nicht frühzeitig den Banken durch ihre Rechtsprechung Klartext vorzuschreiben.
    Das ist bisher immer wieder nicht konkret vorgenommen worden.
    Somit müsste man eigentlich die "unabhängigen Richter" vom LG, OLG bis zum BVerfG vorwerfen, nicht schon früher gegen die Machenschaften der Banken vorgegangen zu sein.
    Denn damit haben die "unabhängigen Richter" den Banken den Vorwand geliefert, die "unabhängigen Richter" sind doch gar nicht für uns akzeptabel.
    Der gleiche Richter am OLG München, der auch den Fall Kirch bearbeitet, hat jetzt auf einmal den Mut gegen die Banken und gegen die Politik, ein Urteil zu sprechen.
    Da bin ich trotzdem noch nicht ganz sicher.
    Erst wenn das Urteil vorliegt, kann gesehen werden, was läuft.
    Doch die letzte Instanz ist dann erst einmal der BGH.
    Wie der "Sprechen" wird, kann sich jeder normaldenkender Bürger ausrechnen.
    "SOLIDARITÄT mit dem STEUERZAHLER !!!!"

  • Steuerzahler zur Kasse!
    ----------
    Gehen Sie direkt zur Kasse, Gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie auch keine vier Milliarden Euro ein!
    So retten Sie "Ihre Bank"!

    Ihre ReGIERung"

  • @SFM
    - genau so ist das! Man kann nur hoffen, das der Richter sich dessen bewusst ist. Zwar hat unsere Rechtsprechung grundsätzlich längst überhaupt nichts mehr mit Recht zu tun, aber hier wäre sogar die Rechtslage zweifelhaft.
    Schließlich wurden die Rechtsnachfolger gegen ihren Willen zur Rechtsnachfolge gezwungen.

    Im Namen des Volkes ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%