Schuldenschnitt
Wo die Banken Kapitallücken haben

Neun Prozent Eigenkapital sollen europäische Banken in Zukunft vorhalten - darauf einigten sich die EU-Finanzminister am Wochenende. 110 Milliarden Euro müssen sich die Geldinstitute nun beschaffen.
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BrüsselDie EU will ihre Banken gegen den drohenden griechischen Schuldenschnitt wappnen. Deshalb sollen die Institute ihre Kernkapitalquote auf neun Prozent erhöhen. Darauf haben sich die EU-Finanzminister am Wochenende verständigt. Nach Einschätzung der europäischen Bankenaufsicht Eba müssen sich die Institute dafür insgesamt rund 110 Milliarden Euro zusätzliches Kapital beschaffen. Die Kernkapitalquote gibt wieder, in welchem Ausmaß Ausfallrisiken im Portfolio der Bank durch Eigenmittel abgedeckt sind.

Der zusätzliche Kapitalbedarf verteilt sich allerdings höchst unterschiedlich auf die Banken. Bei Instituten aus den hochverschuldeten Euro-Ländern tun sich die größten Kapitallücken auf, weil sie überwiegend Staatsanleihen ihres Heimatlandes im Portfolio halten. Der teilweise drastisch gesunkene Marktwert dieser Anleihen wird nun erstmals bei den Eigenkapitalanforderungen berücksichtigt. Bei den Banken-Stresstests im Juli war das noch nicht der Fall.

Daher benötigen nun vor allem die Banken Griechenlands, Portugals und Irlands eine Kapitalspritze. Die drei Länder leben von den Krediten der Euro-Zone, ihre Staatsanleihen wurden von den Ratingagenturen auf Ramschniveau heruntergestuft. Mehr als ein Drittel der erforderlichen Rekapitalisierungssumme entfalle auf die Banken dieser drei Länder, hieß es in Brüssel. Die Euro-Zone und der IWF werden den Geldinstituten nun helfen, die Kapitallücke zu schließen. Ein Teil der Hilfskredite für die drei Länder ist bereits für die Banken reserviert. Falls das nicht reicht, könnte der Euro-Rettungsfonds EFSF mit einem zusätzlichen Darlehen helfen.

Erhebliche Kapitallücken gebe es zudem bei spanischen und italienischen Banken. Auch französische Institute müssten nachsteuern. Der Rekapitalisierungsbedarf deutscher Geldinstitute bewegt sich dagegen nur im einstelligen Milliardenbereich. Hauptgrund dafür ist der hohe Anteil der wertvollen deutschen Staatsanleihen im Portfolio der hiesigen Banken.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte zunächst verlangt, dass die Banken mit staatlichen Geldspritzen zwangskapitalisiert werden. Die Mittel dafür sollten auch aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF kommen. Schließlich setzte Kanzlerin Angela Merkel aber durch, dass sich die Banken die nötigen Finanzmittel möglichst selbst beschaffen. Sie könnten dafür Gewinne verwenden, neue Aktien ausgeben oder Geschäftsteile verkaufen. Nur im Notfall sollen die Banken staatliche Mittel erhalten. Auf diese Lösung habe Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Mittwochabend in einem Telefonat mit Merkel gedrungen, hieß es.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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