Schweizer Konten
Das offene Bankgeheimnis

Schweizer Banken gelten als die diskretesten Institute der Welt. Zwei Handelsblatt-Reporter gaben sich als Steuersünder aus und wollten bei sieben Großbanken in Zürich Schwarzgeld anlegen – mit überraschendem Ergebnis.
  • 20

ZürichEinträchtig saßen UBS-Präsident Axel Weber und Philipp Hildebrand, der Ex-Präsident der Schweizer Notenbank, beieinander. Auf dem Podium der abgedunkelten Züricher Kongresshalle plauderten die beiden über die Aussichten des Schweizer Finanzplatzes. Die beiden Herren wurden sich schnell einig: „Die Schweizer Banken stecken in einer Umbruchphase“, sagte Hildebrand. Schwarzgeld sei out, legales Geschäft in. „Das Bankgeschäft der Zukunft wird ein anderes als das der Vergangenheit sein“, pflichtete ihm Weber bei.

Auch die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf ließ zuletzt keine Gelegenheit aus, ihre neue „Weißgeld-Strategie“ zu bewerben: „Wir wollen keine unversteuerten ausländischen Vermögen mehr in der Schweiz haben.“

Egal ob Banker oder Politiker, die Botschaft der Eidgenossen in diesen Tagen ist deutlich: Die Schweiz will nicht länger der Sammelplatz für die Schwarzgelder dieser Welt sein. Die neue Rhetorik klingt gut - doch entspricht sie auch der Wirklichkeit? Und was passiert wirklich hinter verschlossenen Türen, wenn die Vermögensberater in ihren schicken Besprechungszimmern ihre deutschen Kunden informieren?

Zwei Handelsblatt-Reporter wollten es wissen. Wir gaben uns als Neffe und Onkel aus, die nach einer Erbschaft eine größere Summe Weißgeld, also offiziell gemeldetes und versteuertes Geld, und ein bisschen Schwarzgeld, von dem der deutsche Fiskus nichts weiß, auf einem Schweizer Konto bunkern wollen. Insgesamt fast zwei Millionen Euro legten wir so ins Schaufenster und testeten damit sieben der führenden Banken am Finanzplatz Zürich.

Die Recherche führt uns hoch hinauf. Über hundert Meter rauscht der Fahrstuhl in die Höhe, bevor er in der 33. Etage stockt. Wir sind im neuen Züricher „Prime Tower“, dem höchsten Turm der Schweiz, zu Besuch bei der Deutschen Bank Schweiz, Abteilung „Private Wealth Management“, private Vermögensverwaltung.

Bevor wir mit dem Deutsche-Bank-Berater ins Gespräch kommen, will er unsere Personalausweise sehen. Für die Bank seien alle Neukunden „potenzielle El Kaidas“, entschuldigt er sich. Wir weigern uns, die Personalien offenzulegen - um nicht als Journalisten enttarnt zu werden, hatten wir uns unter falschem Namen angemeldet. „Also gut, machen wir erst einmal ein Gespräch“, sagt er. Über eine Stunde nimmt er sich Zeit. Was er uns raten wird, hätten wir nicht erwartet.

Kommentare zu " Schweizer Konten: Das offene Bankgeheimnis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Liebes HaBa:
    OSZE != OECD
    => das geht besser, oder?

  • Da ist es wohl besser als Schweizer nach Deutschland zu gehen... http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/deutsche-banken-buhlen-um-schweizer-schwarzgeld

  • Ist es den grundsätzlich fair, dass mit Schwarzgeld und Drogengeld, sowie aus Prostitution, Häuser von der OK gekauft und Firmen gegründet werden. Ist nicht der der Dumme, der schuftet, studiert hat und an die Rechtsstaatlichkeit in einem " Rechtsstaat " glaubt!? Was würde eigentlich aus dem ganzen Vermögen, dass die a
    Nazis den Juden und anderen Opfern abgenommen wurden? Wieviel Grundstücke, Häuser, Firmen wurden damit gegründet?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%