Skandal-Versicherung
Ergo trickste auch bei Betriebsrenten

Erneut kommen unlautere Praktiken der Versicherung ans Licht: Die Vertreter haben Mitarbeitern von Unternehmen günstige Sondertarife vorenthalten, um saftige Provisionen zu kassieren.
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DüsseldorfVertreter der Ergo-Versicherung haben offenbar das Vertrauen ihrer Geschäftspartner missbraucht und betriebliche Rentenversicherungen zu Ungunsten der Kunden abgeschlossen. Diese Täuschung geschah dort, wo ihre Opfer sich sicher fühlten - an ihrem eigenen Arbeitsplatz.

Der Trick mit den Betriebsrenten funktionierte so: Ergo bot Rahmenverträge mit günstigen Konditionen für die Mitarbeiter einer Firma an, die Unternehmen informierten die Belegschaft über das vermeintliche Sonderangebot und ließen die Ergo-Vertreter in ihre Räume. Doch die Vertreter boten in Einzelgesprächen mit den Beschäftigten der Firmen keineswegs ihre attraktiven Sondertarife an, sondern die üblichen Versicherungspolicen mit den deutlich ungünstigeren Konditionen.

"Der Rahmenvertrag war wie ein trojanisches Pferd", sagt ein langjähriger Generalvertreter der Ergo. "Wenn der Vertreter erstmal durch die Tür war, hat er die ausgehandelten Konditionen einfach ignoriert." Die Gründe für dieses Verhalten liegen im Provisionssystem von Ergo: "Weil ein Vertreter für einen Vertrag im Großunternehmen vielleicht 150 Euro Provision bekam. Und für einen Einzelvertrag kassierte er bis zu 1000 Euro." Damit wurde das Anreizsystem auf den Kopf gestellt. In der Theorie sollten alle Beteiligten Vorteile von den Rahmenverträgen haben, und nicht nur der Versicherer und seine Vertreter. Das Prinzip: Je größer der Vertragspartner, desto bessere Konditionen bietet Ergo dessen Mitarbeitern an.

Weil der Versicherer und der Vertreter mit wenig Aufwand massenweise Verträge abschlossen, verzichteten sie auf Verwaltungskosten und Provision. Das ist das Grundprinzip derartiger Kollektivverträge, die nahezu alle großen Versicherer anbieten.

Kommentare zu " Skandal-Versicherung: Ergo trickste auch bei Betriebsrenten"

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  • Nicht nur die HMI (ERGO) sondern auch die Victoria (ERGO) hatte hier mit System diese Policen den ahnungslosen Mitarbeitern in den Betrieben wie Laufenmühle, KBC usw. verkauft. Bei der Laufenmühle wurden sogar externe Mitarbeiter der K&P AG, deren Chef wegen gewerbsmäßigen Betruges verurteilt wurde und eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßen musste, eingesetzt.
    Dieser „Chef“ war ein persönlicher Freund des damaligen (2003/2004) Bezirksdirektors der Victoria in Lörrach, der nun im Vorstand der Ergo-Gruppe sitzt.
    Also darf man nicht davon ausgehen, dass hier intern nachgeforscht oder gar aufgeklärt wird.

  • Blödsinn - das ist kein Fehler im Sinne eines Versehens, das hat System! Allerdings trifft das nicht nur für die ERGO zu, sondern für alle ziemlich ausnahmslos (Allianz...Zuricher). Die Methodik dabei heißt Abzocke durch "Intransparenz+Unflexiblität+leereVersprechnungen". Die Gewinner heißen immer Makler und Aktionäre, die Verlierer sind dementsprechend die Kunden. Die Fälle, die jetzt bei der ERGO hoch kochen, sind lediglich Beispiele unzähliger Fälle aus der Praxis - Googlen hilft...

  • Kann das Problem nicht ganz nachvollziehen. Die ERGO hat doch wohl inzwischen auch Rechner und keine Bücher, in die die Neukunden kommen. Wenn ein Unternehmen mit einer Betriebsrente Kunde wird, dann zum 2. mal, zum 3. mal usw. sehen die doch am PC, wie oft dieses Unternehmen bereits eine Betriebsrente hat- so dumm kann die EDV doch nicht sein- oder?

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