„Spar-Schweinerei“ oder notwendiges Übel?
Warum ich am Bankautomaten gern zahle

Sparkassen und Volksbanken stehen in der Kritik, weil manche von ihnen Gebühren fürs Geldabheben nehmen. Doch die Reaktionen sind übertrieben und die Wut der Kunden unbegründet. Ein Kommentar.
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„Gebühren-Schock“. „Abzocke“. „Spar-Schweinerei“. So geraten derzeit Sparkassen und Volksbanken in die Schlagzeilen. Der Grund: Manche von ihnen verlangen Gebühren fürs Abheben am Automaten. Die Sparkasse Erding nimmt doch tatsächlich 29 Cent von ihren Kunden, wenn die mehr als viermal im Monat Geld ziehen. Oder die Volksbank Lahr: Wer öfter als alle zwei Wochen abhebt, zahlt 40 Cent. Skandal!

Ernsthaft?! Ein Kiosk nimmt 80 Cent für die „Bild“ (die ausführlich über den „Sparkassen-Hammer“ berichtete). Ein Wirt verlangt 2,50 Euro für ein Bier. Von dem Geld bezahlt der Kioskbetreiber seinen Laden und die „Bild“ ihre Redaktion. Der Wirt zahlt seine Kneipe und die Brauerei Wasser, Hopfen und Malz.

Und die Sparkassen und Volksbanken? Wovon sollen die ihre Leute bezahlen? Die Lieferwagen, die täglich durch die Gegend fahren, damit uns jeder Automat zuverlässig Euro ausspuckt?

Die Banken können doch froh sein, dass wir ihnen unser Geld überhaupt bringen, mögen einige jetzt denken. Und so war es auch tatsächlich mal – als das ursprüngliche Geschäftsmodell noch funktionierte: Die Leute brachten ihr Geld und bekamen Zinsen. Die Bank verlieh das Geld weiter und nahm dafür höhere Zinsen. Doch seit die Europäische Zentralbank den Leitzins auf null gesenkt hat, ist die Spanne zwischen den beiden Sätzen so stark geschrumpft, dass kaum eine Regionalbank noch davon leben kann. Viele mussten sich zusammenschließen und Filialen dichtmachen. Weil das nicht reicht, erhöhen sie nun ihre Gebühren.

Ich finde das richtig. Die Sparkassen stellen mir 25.000 Automaten hin, ich nutze sie regelmäßig und würde gern dafür zahlen. Ich nutze auch das Onlinebanking und zahle dafür. Jedenfalls viel lieber als eine hohe Pauschale für ein Konto mit Leistungen, die ich nicht brauche. Wenn jeder zahlt, was er nutzt, ist es effizient. All denen, die sich aufregen, wenn jemand Geld für eine Leistung nimmt, rate ich: Einfach mal einen Monat für lau arbeiten.

Kommentare zu " „Spar-Schweinerei“ oder notwendiges Übel?: Warum ich am Bankautomaten gern zahle"

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  • @G. Nampf & Simon Heberle: Und ich hab selten solch schlechte Kommentare gelesen. Normalerweise geben sich Menschen wie sie ja wenigstens ein wenig Mühe, wenn sie ihre fadenscheinigen Argumente hervorbringen. Aber Sie beide sind ja wirklich das Paradebeispiel für den klassischen Wutbürger, der sich über jeden Unsinn aufregt und nie reflektiert, was eigentlich hinter solchen Aktionen steckt.

    Eigentlich ist es doch ganz simpel: Sie erhalten von der Bank eine Dienstleistung, wenn sie Geld abheben. Und in Zeiten, in denen die Bank diese Dienstleitsung nicht mehr über ihre Zinsmarge quersubventionieren kann, steht es jeder Bank auch frei, für eine solche Dienstleistung Geld zu verlangen. Die Tatsache, dass dies nie so war heißt ja nicht, dass es ausgeschlossen ist!

    Die Zeiten haben sich geändert, leider kann man das nicht von der Mentalität vieler Leute behaupten. Hauptsache man bekommt alles gratis, was hinter einem Gut an Aufwand steckt interessiert mich als Verbraucher doch nicht - überall sind sie bereit ihr Geld auszugeben, nur von den bösen Banken wird erwartet, dass sie buckeln.

    Wenn sie wirklich so arm dran sind, dass sie für eine Bargeldverfühung keine Centbeträge zur Verfügung haben, rate ich Ihnen zum guten alten Sparstrumpf. Für sie optimal! Dort bekommen sie die selben Zinsen wie auf der Bank und können jederzeit kostenlos über ihr Geld verfügen....

    Ironie beiseite, manchmal muss man auch einfach auf dem Teppich bleiben.
    Jahrelang haben wir uns an kostenlosen Leistungen bei den Banken erfreut. Wo das weiterhin funktioniert ist es ja schön, wenn man das an den Kunden weitergibt. Aber wenn das Geschäftsmodell nicht mehr aufgeht unter veränderten Bedingungen, muss nicht nur die Bank, sondern auch der Kunde umdenken.

    Und die Schuld bei den Bankem zu suchen ist übrigens auch sehr einfach gedacht, wenn man sich vor Augen hält, dass die Banken nicht für Geldpolitik verantwortlich sind, und die aktuelle Situation für sie genauso wenig angenehm.

  • Die Gebüren an sich sind vielleicht vom Kostenpunkt gerechtfertigt, aber:
    Die Bankautomaten wurden als Kostenersparnis eingeführt um Personal freiszusetzen.
    Außerdem haben die Baken beim Dispositionskredit eine gewaltige Spanne: Sie refinazieren sich zu 0 %( bei den Kunden die Guthaben auf ihrem Girokonto haben) und verlangen immer noch 11, 12, 13% Zinsen. Solange Geschäftsbanken immer noch Gebüren für die Rückgabe von Lastschriften verlangen, obwohl dies gesetzlich verboten ist und sich auch Sparkassen an den cum cum Geschäften, die vielleicht nicht illegal aber sehr anrüchig sind, beteiligen, fehlt mir jedes Verständnis für eine solche Gebühr.

  • http://www.der-postillon.com/2017/04/gebuehren-auf-geldabheben.html

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