Sparkassen müssen sparen
In Bayern wird das Filialnetz ausgedünnt

Der Kostendruck in der Bankbranche erreicht die bayerischen Sparkassen. Kunden und Mitarbeiter müssen sich darauf einstellen, dass etwa 200 Filialen wegfallen. Dies sei auch eine Folge veränderten Kundenverhaltens.

MünchenBayerische Sparkassenkunden werden in Zukunft womöglich häufiger vor „Filiale geschlossen“-Schildern stehen. In diesem Jahr dürften acht bis zehn Prozent der derzeit 2.245 Geschäftsstellen wegfallen, meint Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern. Das wäre deutlich mehr als im vergangenen Jahr, als die Zahl der Geschäftsstellen nur um knapp vier Prozent gesunken war.

„Unser Filialnetz stammt aus einer Zeit, in der unsere Kunden auch für Überweisungen die Filiale aufgesucht oder ihr Bargeld an der Kasse abgeholt haben“, verteidigte sich der ehemalige Oberbürgermeister von Kempten auf der Jahrespresskonferenz gegen Kritik an derartigen Schritten. Doch der durchschnittliche Bankkunde gehe mittlerweile nur noch einmal pro Jahr in die Bank – und 108-mal online.

Andere Banken haben Netzers Worten zufolge früher abgebaut: In den zwanzig Jahren von 1995 bis 2015 habe die deutsche Kreditwirtschaft die Zahl ihrer Filialen halbiert – in Bayern sei die Zahl der Sparkassen dagegen nur um ein Viertel gesunken. Man müsse aber dem anderen Verhalten der Kunden Rechnung tragen und wegen der niedrigen Zinsen sparen. Man müsse auch genau hinschauen, wenn es heißt, eine Filiale werde geschlossen. Häufig werde sie nur umgebaut oder mit einer anderen zusammengelegt. Derzeit befinden sich in Bayern zudem sieben Sparkassen in Fusionsverhandlungen.

Auch im Verbund der Sparkassengruppe gebe es noch „deutliche Potenziale zur Effizienzsteigerung“, ist Netzer überzeugt: „Schließlich dürfen wir nicht übersehen, dass wir uns deutschlandweit im Verbund noch immer sieben Landesbanken, neun Landesbausparkassen und elf öffentliche Versicherer leisten.“ Zur Erfüllung ihrer Aufgaben sei diese Struktur eigentlich nicht notwendig. Da werde man in der Sparkassen-Finanzgruppe keinen finden, der dem groß widerspreche. Bei den einzelnen Eigentümern in den einzelnen Ländern gebe es zwar unterschiedliche Interessen. „Wir glauben aber, dass wir an dieses Thema ran sollten“, betonte Netzer. Mittlerweile ist seiner Beobachtung nach auch die Gesprächsbereitschaft gestiegen.

Kritik, dass der Spitzenverband DSGV unter der Führung von Präsident Georg Fahrenschon sich nicht ausreichend für eine Vereinfachung der Strukturen ausspreche, wies Netzer zurück. „Der DSGV ist nirgendwo Eigentümer. Und es gibt eine Grundregel beim Schafkopf: Es kann nur mitspielen, wer Karten in der Hand hat und am Tisch sitzt.“ In Bayern fühle man sich von DSGV und Fahrenschon „sehr gut“ vertreten und werde den ehemaligen Finanzminister Bayerns bei dessen bevorstehender erneuter Kandidatur für die DSGV-Spitze unterstützen.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%